Stephen A. Mitchell

Kann denn Liebe ewig sein?

Psychoanalytische Erkundungen über Liebe, Begehren und Beständigkeit
Psychosozial Verlag, Gießen 2004
ISBN 9783898063494
Gebunden, 231 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Theo Kierdorf in Zusammenarbeit mit Hildegard Höhr. Warum fasziniert uns die romantische Liebe? Warum macht sie uns aber zugleich Angst? In seiner wegweisenden Studie über die Hauptkomponenten der romantischen Liebe - Sex, Idealisierung, Aggression, Selbstmitleid, Schuldgefühle und Bindung - haucht Stephen Mitchell unseren Träumen neues Leben ein, widmet sich aber auch den Fallstricken, denen wir in der Liebe ausgesetzt sind.
Laut gängiger Überzeugung ist die Liebe zerbrechlich und vergänglich. Mitchell hingegen behauptet, dass in langfristigen Beziehungen die Romantik nicht notwendig abnimmt. Vielmehr wird sie zunehmend gefährlicher. Nicht die Gewohnheit tötet die Liebe, sondern unsere Angst vor zu starker Abhängigkeit. Was wir als Vergänglichkeit der Liebe bezeichnen, ist in Wahrheit Risikomanagement: Indem wir Liebe und Begehren trennen, unsere Erwartungen an die Beziehung herunterschrauben und unsere Abhängigkeit vom Anderen einschränken, ersticken wir die Glut unserer Liebe.
Mit zahlreichen Beispielen aus seiner dreißigjährigen klinischen Erfahrung veranschaulicht Mitchell das ganze Spektrum romantischer Erfahrungen: vom zwanghaften Vermeiden eintöniger Beziehungen über die Idealisierung fantasierter "Seelenverwandtschaft" bis hin zur nostalgischen Erinnerung an verloren gegangene Liebesbeziehungen. Er zeigt, dass die Liebe Bestand haben kann, wenn wir uns unserer eigenen selbstdestruktiven Tendenzen und unserer tiefen Angst vor der Liebe bewusst werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Dieses hervorragende Buch des amerikanischen Psychoanalytikers Stephen A. Mitchell ist nur aufgrund seines bedauerlich kitschigen deutschen Titels in die Nähe all der massengrabtauglichen Liebesratgebern geraten, verspricht die Rezensentin Bettina Engels. In dieser "durch und durch humanen", stilistisch an Freud erinnernden "Summa eines produktiven Gelehrten- und Therapeutenlebens" lege Mitchell dar, warum "die romantische Liebe gerade in einer langjährigen Beziehung Bestand haben kann". In der Tat, erinnere Mitchell, seien sowohl Liebe als auch Sexualität "reflexive Phänomene". Demnach werde ein Objekt nicht aus einem unspezifischen Affektstau heraus vereinnahmt, sondern dem Objekt, "dem Anderen", kommt laut Mitchell eine wahrhaft "konstitutive Rolle" zu. Was das Verhältnis von Biologie und freiem Willen betrifft, geht er von einer "wechselseitigen Beeinflussung" aus und gelangt zu dem Schluss, dass "der Glaube an einen transparenten Willen" im Vergleich zu "den Idealisierungen der Liebenden" (die eine "reale Bedürftigkeit der Menschen" spiegeln) die ungleich größere Illusion darstellt, informiert unsere mit diesen Schlussfolgerungen offenbar zufriedene Rezensentin.
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