1 CD, 82 Minuten. Gelesen von Eva Mattes, Birgitta Assheuer, Wolfram Koch, Jens Harzer, Helmut Krauss. Am Klavier: Hedayet Djeddikar. Zwischen 2008 und 2018 hat Stefan Weiller in über 30 Städten obdachlose und sozial ausgegrenzte Männer und Frauen getroffen und ihre Gedanken, Gefühle und Geschichten in kurze Texte gefasst, teils kantig und hart, teils lyrisch, manchmal lakonisch, oder grotesk, immer eindringlich und ohne Pathos. Diese Miniaturen hat er mit Schuberts Liederzyklus "Winterreise" verwoben.
Emphatisch legt Rezensentin Sylvia Prahl den Lesern diese CD ans Herz, indem sie erstmal glaubhaft klarmacht, dass es sich hier nicht um Betroffenheitskitsch handelt. Zu nüchtern gibt Weiler hier die Geschichten Obdachloser wieder, die er nach zahllosen Gesprächen zu individuellen Miniaturen bündelte. Prahl ist frappiert, wie fugenlos die Dichtung Wilhelm Müllers an diese Geschichten anschließt, und sie lobt die Einspielung des Pianisten Hedayet Djeddikar sowie die "sachliche Bestimmtheit", mit der prominente Schauspieler die Texte einlesen. Der von Prahl zitierte Satz eines Obdachlosen - "Armut ist nichts, wofür ich mich schämen muss, ich schäme mich trotzdem" - klingt schon nach Lektüre der Kritik nach.
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