Aus dem Englischen von Monika Schmalz. Hans Breuer ist nicht nur der letzte Wanderschäfer Österreichs, mit Sicherheit auch der ungewöhnlichste, den es je gab. Denn welcher Schäfer singt schon seinen 625 Schafen zum Einschlafen jiddische Lieder vor? Das fragt sich auch Sam, ein junger jüdischer Journalist aus New York, der von seiner Großmutter Bashy zur ständigen Wachsamkeit vor an jeder Ecke lauernden Pogromen erzogen wurde. Als er Hans zufällig in New York kennen lernt, beschließt er, ihn durch die österreichischen Alpen zu begleiten. Einerseits, um mehr über das Leben des ungewöhnlichen Mannes zu erfahren, andererseits, um sich auf Spurensuche nach seinen jüdischen Wurzeln und dem angeblichen Antisemitismus in Österreich zu begeben. Ausgestattet mit Diktaphon und nagelneuen Designerboots landet Sam mitten in der Idylle. Allerdings muss der neurotische Hypochonder sogleich schmerzlich erfahren, dass die Spaziergänge durch den Central Park nicht die rechte Vorbereitung auf die Herausforderungen der alpinen Welt waren. Trotz aller Widrigkeiten erfährt Sam auf seiner Wanderung mit Hans viel über dessen Herkunft, über das Land Österreich und vor allem über sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.01.2008
Was von seiner Grundidee ein gelungenes Buch hätte werden können, hat Eva Menasse verärgert. Der jüdische New Yorker Journalist Sam Apple hat einen jüdisch-österreichischen Wanderschafhirten durch die Alpen begleitet. Das Porträt des Hans Breuer als "typischen" Vertreter der zweiten Generation nach dem Nationalsozialismus, der unter den Traumata seiner Eltern leidet und sich nach Versuchen, bei den Kommunisten Halt zu finden, in seinen einsamen Beruf zurückzieht und sich auf das Sammeln von jiddischen Liedern verlegt, findet die Rezensentin noch am besten in diesem Buch. Irritierend dagegen sind für Menasse die Analysen Apples von sich selbst und von Österreich, die er in Reportagen, Essays und literarischen Prosatexten diesem Porträt hinzugefügt hat. Die forcierte "Naivität", mit der der Autor dem fremden Land begegnet, entlarvt für die genervte Rezensentin das schlichte Denken des Verfassers. So glaubt sie, dass das Buch zwar vielleicht für amerikanische Leser seinen Reiz haben könnte, die etwas über das ferne Österreich erfahren möchten. Für ein deutschsprachiges Publikum dagegen tauge der Band mit seinen Allgemeinplätzen und peinlichen Vergleichen nichts, zumal sie zahlreiche gravierende Fehler in der Übersetzung gefunden hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2007
Eine tolle Überraschung stellt dieses ungewöhnliche Reisebuch für Johanna Adorjan dar. Über einen jiddisch singenden österreichischen Wanderhirten zu lesen, erschien ihr nicht sonderlich verlockend, dann aber entpuppt sich das Buch für sie als quasi fiktionales Kompendium über "Schafe, Judentum, Haider und die FPÖ" und vieles mehr. Sie begegnet einem Autor auf der Alm im Angesicht seiner Dämonen und lauter Fragen und noch mehr Antworten, "leicht" und "abgründig" zugleich aufgeschrieben. Ein Buch, dazu imstande, Jonathan Safran Foer neidisch zu machen, urteilt die Rezensentin und ist selbst ganz von den Socken.
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