Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. In eine kneifende Uniform gezwängt und mit einer entsetzlichen Kopfbedeckung angetan, tritt Maria Angulema die Reise nach Lourdes an. Mit dem Ziel, vom Herrgott höchstpersönlich eine Erklärung für den Unfalltod ihres Vaters einzufordern, begleitet sie als freiwillige Schwesternhelferin einen Pilgerzug aus der mittelitalienischen Provinz. Ein ganzes Dorf möchte das Wunder von Lourdes erfahren: ein kreischend lärmender Mikrokosmos aus echten Kranken und den Kindern, Kindeskindern und nächsten Verwandten der echten Kranken, aus eingebildeten Kranken und den Kindern, Kindeskindern und nächsten Verwandten der eingebildeten Kranken, aus Pilgern, Begleitpersonal und Schwestern begibt sich auf eine Wallfahrt, die eher einer Fahrt auf dem Narrenschiff gleicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2011
Franz Haas legt uns mit Nachdruck zwei Romane von Rosa Matteucci ans Herz, die in seinen Augen bislang längst nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die sie verdient. Ihr Debütroman "Lourdes" erzählt autobiografisch getönt von der Reise einer jungen Frau nach Lourdes als Hilfsschwester für kranke Pilgerreisende, in der sie tiefe Blicke in die abstoßenden allzumenschlichen Abgründe von Siechtum und Hässlichkeit tut, wenn man dem Rezensenten glauben darf. Die Übersetzung ins Deutsche von Marianne Schneider hat ihn als geradezu "akrobatische" Glanzleistung überzeugt und selbst das völlig überraschende Erweckungserlebnis der Heldin am Schluss, schreckt ihn keineswegs ab, sondern scheint sein Vergnügen am bitterbösen Humor dieses Romans noch zu steigern.
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