Ron Brinitzer

Religion - eine institutionenökonomische Analyse

Cover: Religion - eine institutionenökonomische Analyse
Ergon Verlag, Würzburg 2003
ISBN 9783899132991
Kartoniert, 449 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Die Ökonomie hat schon seit längerem ihr ursprüngliches Tätigkeitsfeld von Produktion, Geld und Zins verlassen. Immer häufiger beschäftigen sich Wirtschaftswissenschaftler mit Dingen wie Kriminalität, Familie, Kunst und in letzter Zeit auch mit Religion. Die Berührungspunkte zwischen Ökonomie und Religion sind vielfältig, steht doch am Anfang der Ökonomie ein von den Religionen überliefertes Ereignis: Die Vertreibung aus dem Paradies. Mit ihr begann die Knappheit und Ökonomie ist nichts anderes als die Lehre vom Umgang mit Knappheit. Wenn sich Religion und Ökonomie bisher begegneten war jedoch eine Betrachtung ökonomischer Sachverhalte durch eine theologische Brille üblich, bei der Geistliche aller Religionen eine auf ihren jeweiligen religiösen Lehren fußende Wirtschaftsordnung entwarfen. Hier wird der entgegengesetzte Weg beschritten. Dieses Buch führt erstmals die von Ökonomen getroffenen Aussagen zum Thema Religion zusammen und zeigt auf, welchen Beitrag das wirtschaftswissenschaftliche Instrumentarium zur Erklärung religiöser Phänomene leisten kann. Es eröffnet damit eine neue Perspektive und gibt einen guten Überblick über den bisherigen Stand der ökonomischen Forschung auf diesem Gebiet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2004

Eine kurze redaktionelle Vorbemerkung zu dieser Rezension warnt: Die Wirtschaftswissenschaft wagt sich an allerlei - hier traut sie sich an eine Analyse der Religion. Eine gelungene Analyse, wird man hinzufügen müssen, wenn man der Rezension Leonhard Neidharts glauben darf. Das Grundproblem der klassischen ökonomischen Wissenschaft mit der Religion liegt in ihrer - der Ökonomie - Grundunterstellung: Der Mensch ist für sie definiert als rationales Wesen. Wie aber lässt sich die doch etwas unabsehbare Investition in den "Nachlebenskonsum" begreiflich machen? Nun, neuere Ökonomen erklären Irrationales durch einen Wissensmangel - und "Wissenslücken" (was nicht dasselbe wie "Glaubenslücken" sein sollte) gibt es in Sachen Religion durchaus. Weitere Probleme, mit denen Brinitzer sich befasst, betreffen das Verhältnis von Strenge der Vorschriften und Ausgrenzung sogenannter "free rider" ("Trittbrettfahrer", die nur den Nutzen abgreifen wollen) oder den Umgang mit "unintendierten Effekten" wie dem schmarotzenden Verständnis von Religion als Sache "des persönlichen Heils" anstelle der Nachfrage für "gesellschaftspolitische Ziele". Der Rezensent resümiert: "Der Nutzen aus der Lektüre dieses Buches übertrifft die Lesekosten um ein Vielfaches."
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