Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke. Nie sind die Verschwörungen weit, Gefahr lauert überall: In den USA gehört der Verfolgungswahn zum Alltag, im Kleinen wie im Großen. Und kaum einer erzählt von diesem nationalen Geisteszustand schärfer und zugleich emphatischer als Rick Moody. In drei Novellas zeichnet er von schwarzem Humor und apokalyptischer Vorstellungskraft geprägte Bilder der amerikanischen Wirklichkeit, wenn er beispielsweise von der wortreichen Verschwörungstheorie eines überkandidelten Pensionärs erzählt, von der Panik einer zwanghaften Büroangestellten oder der durchschlagenden Wirkung einer neuartigen Erinnerungsdroge.
Rezensentin Susanne Messmer findet es ein bisschen gewagt, diesen umstrittenen Autor hierzulande ausgerechnet mit seinen "schrulligsten Novellas" vorzustellen. Da sie diesen Geschichten aber persönlich sehr viel abgewinnen kann, ist sie dennoch guter Hoffnung. Denn die Texte bestechen sie durch Musikalität, "wild aufgelöste Plots" sowie eine "definitorische Bescheidenheit" ihren Figuren gegenüber. In manchen Geschichten spürt sie unterschwellig posttraumatische Stress Disorder nach 9/11 wirken. Oft findet sie aber ganz ohne diesen Bezug die Wirklichkeit wohltuend unsortiert geschildert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2008
Etwas enttäuscht ist Rezensent Michael Schmitt von Rick Moodys Erzählungsband "Paranoia". Die drei Geschichten wirken auf ihn wie "Gelegenheitsarbeiten", die es mit Moodys Roman "Wassersucher" nicht wirklich aufnehmen können. Er beklagt die Längen, die sich in allen Geschichten immer wieder einschleichen. Als Stories scheinen sie Schmitt zu lang und zu weit ausholend, als Novellen oder echte Erzählungen dagegen zu wenig komplex. Zudem kann er sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Geschichten ihrem Thema, der Paranoia, zum Opfer fallen: sie überließen sich dem "Strom der Wahngebilde", blieben aber auch darin gefangen. So stellt sich beim Rezensenten trotz ihrer Phantasie und "satirischen Bissigkeit" bald Ermüdung ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.06.2008
Für den Rezensenten Ulrich Sonnenschein ist dieser Erzählband von Rick Moody eine positive Überraschung. Das Buch hatte nämlich zunächst wie ein "Brückenwerk zwischen zwei Romanen" auf ihn gewirkt, erwies sich bei der Lektüre aber dann doch als erstaunlich substanziell. Die thematische Klammer ist nach Ansicht des Rezensenten das, was man gemeinhin als "Verfolgungswahn" bezeichnet. Zu diesem Thema hat Moody drei in den Augen des Rezensenten "profunde literarisch-philosophische Studien" angefertigt, eine durchaus spannende "Zivilisationskritik". Sonnenschein gefällt, wie "leichthändig" der Autor die Zukunft behandelt, und wie sein Tonfall, trotz seines nüchternen Realismus nie "trist", aber dafür oft "humorvoll" ist.
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