Richard Münch

Die akademische Elite

Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz
Cover: Die akademische Elite
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518125106
Kartoniert, 474 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Als im Oktober 2006 die Eliteuniversitäten in München und Karlsruhe gekürt wurden, sagte Annette Schavan, Deutschland könne nun mithalten im internationalen Wettbewerb. Doch wer entscheidet überhaupt darüber, wer sich zur Elite zählen darf? Ist die Errichtung universitärer "Leuchttürme" ein wirksames Mittel gegen die Hochschulmisere? Diesen Fragen widmet Richard Münch seine brisante Studie. Das Ergebnis: Viele Reformen sind kontraproduktiv, sie führen zu einer Verringerung der theoretischen Vielfalt. "Eine Forschungspolitik, die solche Strukturen stärkt, ist nicht auf der Höhe der Zeit und verpaßt die dynamisch voranschreitende internationale Entwicklung."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2007

Rezensent Andrew James Johnston findet Richard Münchs Bestandsaufnahme des akademischen Status Quo in Deutschland "faszinierend und bedrückend" zugleich, sogar eine "verborgene Brillanz" attestiert er dem Autor. Münch untersucht, so erfahren wir von Johnston, wie sich die Forschung an den Universitäten entwickelt hat, seit ihnen in den neunziger Jahren der Wettbewerb um Drittmittel und Exzellenz aufgebürdet wurde. Was das Buch n den Augen des Rezensenten so spannend macht, ist, dass Münch ein klarer Verfechter der "Wissenschaft als Markt" sei, aber dennoch die bisherige Umstrukturierung für fatal halte. Münchs Beobachtungen zufolge sei ein "mörderischer Monopolisierungsprozess" im Gange, die süddeutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen dominierten die Mittelvergabe. Und gemäß Münch sinke die - an Publikationen und Patenten gemessenen - Kreativität um so stärker, je größer die eingeworbenen Drittmittel sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2007

Kritisch geht Rezensent Jürgen Kaube mit Richard Münchs Polemik gegen das deutsche Forschungssystem ins Gericht. Dabei hält er viele Kritikpunkte des Bamberger Soziologen für berechtigt, etwa wenn es um die Verteilung von Forschungsgeldern, das Rankingwesen, den permanenten Zwang zum Schreiben von Drittmittelanträgen geht. Zu Kaubes Bedauern mischt der Autor allerdings berechtigte Kritik all zu oft mit hanebüchenen Vorwürfen. Der Rezensent hält Münch vor, immer wieder zu dick aufzutragen, sich in Widersprüche zu verwickeln und sich in ermüdenden Wiederholungen zu ergehen. Ausführlich setzt er sich mit Münchs These auseinander, nicht wissenschaftliche Leistungen, sondern Kartelle und politisches Gemauschel befänden darüber, wer den Löwenanteil der Forschungsförderung einsteckt. Dabei lässt Kaube erkennen, dass er durchaus bereit wäre, der Kritik des Autors "freudig" zuzustimmen, wenn dieser sie nicht so "verwirrend instrumentieren" würde. So aber kommt er nicht umhin, das Buch insgesamt als unausgegoren und "undurchdacht" zu tadeln.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.07.2007

Den groß angelegten Angriff des Bamberger Soziologie-Professors auf die deutsche Hochschulpolitik hat Rezensent Wolfgang Kemp mit enthusiastischer Zustimmung gelesen. Der Autor zieht darin mit umfangreichem statistischen Material gegen die Elitenförderung und das Hochschulranking zu Felde und kritisiert mitunter äußerst polemisch die gegenwärtigen Versuche, wissenschaftliche Leistung an den Universitäten und Hochschulen objektiv zu messen, erklärt der Rezensent, der am Furor Münchs offenkundig seine Freude hat. Mitunter stößt sich Kemp an den Redundanzen des Buches, das hält ihn aber nicht davon ab, sich hinter die Forderungen Münchs nach einem aufgestockten Grundmitteletat und einem gestärkten Mittelbau zu stellen. Nur eines irritiert den Rezensenten: während der Autor seine Zweifel an der Messbarkeit von wissenschaftlicher Leistung in Zahlen anmeldet, rechnet er selbst eingehend vor, wie die Wissenschaft besser zu fördern wäre. Trotzdem bekundet Kemp seine Dankbarkeit für den Vorstoß Münchs und freut sich an den ungewohnt scharfen Tönen, die, wie er betont, von deutschen Universitätsprofessoren sonst "selten zu hören" sind.
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