Ours. Die Stadt
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783103976090
Gebunden, 704 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Milena Adam. Nördlich von St. Louis liegt in den 1830er Jahren eine Stadt, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist: Ours. Gegründet und beschützt von der mächtigen Saint, einer geheimnisvollen Frau mit noch geheimnisvolleren Kräften, ist sie Zufluchtsort für die Verlorenen, ehemals Versklavten, die Geretteten. Hier schlagen sie Wurzeln, werden zu Nachbarn und Familien, zu Liebenden. Jahrzehntelang gelingt es Saint und ihrem stummen Begleiter, die Gemeinschaft vor den brutalen Übeln der Welt zu bewahren. Doch als ihre eigenen Verwundungen immer dunklere Schatten werfen und eine neue Macht in die Stadt eindringt, beginnt die Gemeinschaft sich zu fragen, ob Sicherheit sich nicht unweigerlich auf Unfreiheit gründen muss, sogar an einem Ort wie dem ihren.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.12.2024
Ein aufregendes Buch, das gelegentlich etwas zu viel des Guten ist: Das sieht Rezensentin Sylvia Staude im ersten Roman des Dichters Phillip B. Williams. In sein Zentrum stellt das Buch einen fiktiven Ort namens Ours, gegründet von einer Magierin namens Saint, im Jahr 1830, als ein Refugium für schwarze Menschen. Staude stellt einige der Figuren in diesem wild zwischen den Zeitebenen hin und her springenden und auf traditionelle Ursache-Wirkungs-Relationen pfeifenden Buch vor: unter anderem mit magischen Kräften befähigte Zwillinge, die schwulen Jungen Justice und Luther-Philip, die im Wald unterwegs sind, oder eine Figur names Aurora, die Saint am Ende verspottet, weil diese die Zeit in Ours angehalten und so gar nicht bemerkt hat, dass die Sklaverei mittlerweile abgeschafft wurde. Zu viel gibt es für Staudes Geschmack bei alldem vor allem von arg blumigen Beschreibungen, die in Gedichten besser aufgehoben wären als in einem Prosatext. Möglicherweise macht es mehr Sinn, das Buch im Original zu lesen, da Williams offensichtlich der Klang von Wörtern oft wichtiger sei als die Bedeutung. Ein extrem ambitioniertes, mythengesättigtes Buch hat Williams geschrieben, schließt eine von der Lektüre erschöpfte, aber durchaus immer wieder auch beglückte Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 27.12.2024
Rezensent Cornelius Wüllenkemper kommt nicht klar mit dem Debütroman des Lyrikers Philip B. Williams. Allzu metaphorisch-überbordend erzählt der Autor laut Wüllenkemper die Geschichte der Sklaverei in den USA als spiritistisches Märchen. Auf 700 Seiten geht er dabei 200 Jahre in der Geschichte zurück zu den Ursprüngen diskriminierender Gewalt und setzt ihnen die Selbstverwaltung der Sklaven in einer magischen, allerdings sehr bald zerfallenden Gemeinschaft entgegen. Wüllenkemper erinnert die Lektüre stellenweise an Szenarien "einschlägiger Fantasy-Horror-Märchen". Die Darstellung spiritueller Zeremonien gerät dem Autor außerdem zu lang, die Unterdrückungsgeschichte der Schwarzamerikaner verträgt Williams' metaphysischen Hokuspokus nicht gut, findet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
"Traumata sind nicht abwaschbar", lernt Kritiker Fridtjof Küchemann von Phillip B. Williams, der hier nach zwei Gedichtbänden seinen ersten Roman vorlegt. Saint heißt Williams' geheimnisvolle Protagonistin, die im Arkansas des 19. Jahrhundert mit magischen Kräften einen Zufluchtsort für ehemalige Sklaven und Verfolgte schafft und diesen Ort, die titelgebende Stadt "Ours", zudem unauffindbar macht, erzählt der Kritiker. Ein "utopisches Paradies" ist die geheime Stadt dennoch nicht, verrät der Kritiker, vielmehr erzählt Williams mit dem "Atem eines Gesellschaftsromans" von den Bewohnern der Stadt, bewegt sich dabei im Graubereich zwischen Realität und Magie, Lebenden und toten. Küchemann lobt die starken Emotionen des Buches zwischen Wut, Trauma und Hoffnung, bemängelt dafür aber auch, dass Williams seinem Publikum nicht immer zutraut, Uneindeutiges auszuhalten. Auch die überdeutlichen Anspielungen auf die heutige Zeit hätte er nicht gebraucht, dennoch kann er die Lektüre empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 10.10.2024
Rezensent Adam Soboczynski scheint ermüdet von den vielen autofiktionalen Romanen der letzten Jahre. Umso besser gefällt ihm Phillip B. Williams' "Ours", der sich - neben den neuen Herbstromanen von Mircea Cartarescu, Richard Powers, Ulla Lenze oder Clemens Meyer - durch eine gehörige Portion magischen Erzählens auszeichne. "Ours" erzählt die Geschichte einer kleinen Stadt bei St. Louis, die im 19. Jahrhundert aussschließlich von Schwarzen bewohnt wird. Gründerin und Schutzengel Saint vermag es, durch magische Riten die Weißen von der Stadt fernzuhalten, erzählt der Kritiker, der den Roman im Aufmacher der Buchmessenbeilage der Zeit bespricht. Überhaupt ist das Fantastische hier allgegenwärtig, und darum ganz selbstverständlich, gleichzeitig spielen auch gegenwärtige Probleme wie Polizeigewalt eine Rolle, so Soboczynski, den diese "Liason" aus Fantasie und Realität rundweg begeistert. Literarische Referenzen gibt es zuhauf, erfahren wir. Und Williams verschweigt auch nicht, wie zerbrechlich Saints Utopie ist, die zwar für größtmögliche Sicherheit sorgt, aber ihre Bewohner auch in einem "goldenen Käfig" gefangen hält. Wunderbares Beispiel für ein "ästhetisches Abenteuer", findet Soboczynski.