Peter Waterhouse
Z Ypsilon X
Roman

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751800402
Gebunden, 1568 Seiten, 148,00 EUR
ISBN 9783751800402
Gebunden, 1568 Seiten, 148,00 EUR
Klappentext
Niemand in der Familie sprach gern über den Großvater, der als Hauptschriftleiter eine zentrale Rolle in der österreichischen NS-Propaganda innegehabt hatte. Niemand beachtete die Bücher, die dieser gesammelt hatte, Bücher von Karl Kraus, Peter Altenberg und vielen anderen, die in den Regalen der Nachkommen zusehends verstaubten. Niemand - bis hundert Jahre nach dem Tod des Großvaters das Enkelkind in ihnen zu lesen beginnt und eine ungeahnte Gegenwelt entstehen lässt. Eine Welt des Zögerns und Fragens, konturiert durch Anstreichungen und Randnotizen, Widmungen und Lesezeichen, in der das Wort nicht dem kriegstreibenden "Voran" und der Gewalt gewidmet wird, sondern all dem Unterbrochenen, Leisen, Möglichen, das scheinbar noch die Vergangenheit zu verändern weiß.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2026
"High as a kite" fühlt sich ein völlig verzauberter Rezensent Clemens J. Setz bei der Lektüre des neuen Buchs von Peter Waterhouse. Dabei hat Waterhouse gar nicht das Ziel, seinen Leser im Sessel zu fesseln, glaubt Setz. Nein, vielmehr will er ihn befreien und aktivieren, und zwar am liebsten mit Fragen. Von den Fragen in diesem Buch schwärmt Setz ganz besonders, konkret beziehen sie sich oft auf Waterhouse' Großvater Edgar Alker, der in den 1940er Jahren bei einem nationalsozialistischen Blatt publizierte, vorher jedoch passioniert Karl Kraus und andere gelesen hatte. Waterhouse liest nun seinerseits dieses und jenes - Georg Trakl zum Beispiel, oder Dickens, oder Kafka - und findet überall Spuren von Alker, dessen Lektürenotizen er immer wieder ausdeutet. Schließlich landet er gar in einem Gespensterkabinett, wo er sich selbst als literarischer Figur begegnet. "Unzähmbar wild", gar "partisanenhaft umtriebig", nennt der hingerissene Kritiker diese Literatur.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2025
Eine literarische Großtat ist Peter Waterhouse' neues Buch, jubelt Rezensent Paul Jandl. Äußerst ausführlich nähert sich der Autor darin seinem eigenen Großvater, über den in der Familie im Allgemeinen nicht viel geredet wird. Und zwar, weil dieser 1944 an der Ostfront gefallene Großvater Edgar Alker überzeugter Nazi und auch im Sinne des NS-Regimes als Journalist tätig war. In jüngeren Jahren, lernt Jandl von Waterhouse, war Edgar Alker hingegen ein passionierter Leser insbesondere auch von Autoren wie Karl Krauss, die ganz und gar nicht zu seiner späteren ideologischen Orientierung passen. Waterhouse schaut sich in seinem Buch nun in der Bibliothek seines Großvaters um, betrachtet einzelne Bände, die überlebt haben, setzt Anstreichungen und Notizen Edgar Alkers in Beziehung zu dessen späteren Werdegang. Was die Versuche des Großvaters, sich literarisch neue Welten zu erschließen mit seiner späteren Beteiligung an Nazi-Eroberungsfeldzügen zu tun haben könnten: Dieser Frage widmet sich dieses Buch in faszinierender Manier, beschreibt Jandl. Der außerdem ziemlich beeindruckt ist vom schieren Umfang und dem Detailreichtum dieses Buches, für dessen unbedingt lohnende Lektüre man sich viel Zeit nehmen sollte.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.09.2025
Ein vielschichtiges Mammutwerk legt Peter Waterhouse laut Rezensentin Beate Tröger hier vor. Waterhouse beschäftigt sich darin einerseits mit den Biografien mehrerer Mitglieder seiner Familie, deren Perspektive die Prosa teils einnimmt, andererseits tauchen im Buch auch Romanfiguren und Schriftsteller auf, die ebenfalls ein literarisches Eigenleben entwickeln. Wichtig ist hierbei die Rolle von Sprache, was Tröger anhand der Figur Edgar Alkers - dem Großvater des Autors - ausführt, eines Mannes, der in der NS-Zeit zum Hauptschriftleiter der Nazis avanciert, obwohl er vorher ganz andere Schriften verfasst hatte, oft in linken Kontexten. Auf derartige Widersprüchlichkeiten zielt Waterhouse Tröger zufolge immer wieder ab, außerdem betont er die Rolle des Zufalls in der Geschichtsschreibung, auch die Sprache seines eigenen Buches ist voller Ambivalenzen und Paradoxien. Besonders beeindruckt ist Tröger von den teils äußerst kleinteiligen Analysen literarischer Klassiker, die bei Waterhouse die Familienerzählung ergänzen, hier wird aufgezeigt, wie sich in sprachlichen Details Ideologie niederschlägt. Schließlich zeigt Waterhouse Verbindungslinien auf zwischen dem Persönlichen und dem Literarischen, wieder geht es dabei um Alker und dessen Karl-Kraus-Lektüren, die der Rezensentin verständlich machen, wie sich dieser Mann der Nazi-Sprache ergeben konnte. Im Weiteren geht Tröger noch auf andere Handlungsstränge des Buches ein und zieht eine Verbindungslinie zu Klaus Theweleits "Männerphantasien". Insgesamt scheint die Rezensentin von diesem 1500-Seiter schwer beeindruckt zu sein.
Themengebiete
Kommentieren
