Peter Härtling führt den Leser mitten hinein in den düsteren Moment, als sich ein Gitter über seine Brust legte und ihm den Atem raubte, und nimmt ihn mit in die Klinik, wo über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Mit staunenden Augen und einem feinen Sinn für Humor beschreibt er die Auseinandersetzungen der behandelnden Ärzte, ihre rigiden Verhaltensvorschriften und seine sanfte Rebellion dagegen, das Wissen um die Anfälligkeit des Körpers und den unbezwingbaren Wunsch nach einer Fortführung des gewohnten Lebens. Die Sorge und Zuwendung der Angehörigen wird ebenso erfahrbar wie sein Bedürfnis, diese Erfahrung zu teilen. Die Hoffnung, sein Kindheitstrauma - den frühen Verlust des Vaters - zu überwinden, führt Peter Härtling schließlich zurück nach Zwettl, auf die Suche nach dem Grab seines Vaters.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2006
Maria Frise stellt nach "Herzwand" den zweiten Teil von Peter Härtlings Autobiografie vor. Darin verarbeitet der Autor die Erfahrung eines Herzinfarkts gefolgt von einem Schlaganfall, wobei er sich danach intensiv um die Aufnahme seines gewohnten Schriftstellerlebens bemüht, wie die Rezensentin festhält. Sie scheint beeindruckt von der geschilderten Todesangst und stellt fest, dass Härtling mit den Erinnerungen an den in einem österreichischen Gefangenenlager umgekommenen Vater und die Mutter, die Selbstmord verübt hat, schreibend wieder an seinen Lebensanfang zurückkehrt. Den Verlust der Eltern hat er nie "verwunden", konstatiert Frise abschließend, die angetan wirkt, ohne sich zu expliziten Urteilen hinreißen zu lassen.
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