Paulus Hochgatterer

Die Süße des Lebens

Roman
Cover: Die Süße des Lebens
Deuticke Verlag, Wien 2006
ISBN 9783552060272
Gebunden, 294 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Einem alten Mann wird in einer Winternacht der Kopf zermalmt. Die siebenjährige Katharina, seine Enkelin, findet ihn und spricht ab diesem Augenblick kein Wort mehr. Raffael Horn, der Psychiater, der die Therapie des Kindes übernimmt, wird gegen seinen Willen in die Aufklärung des Todesfalls involviert. Kriminalkommissar Ludwig Kovacs sitzt untertags in verschneiten Gastgärten und blickt abends durch sein Fernrohr. Gewalttaten um Jahreswechsel kommen ihm ziemlich ungelegen - unter anderem stören sie seine erotischen Aktivitäten mit Marlene, der Betreiberin eines Secondhandshops. Ein psychopathischer Familienvater schlägt seine Töchter krankenhausreif, ein dauerlaufender Benediktinerpater hört Stimmen, die nichts mit Gott zu tun haben, ein pensionierter Postbote denkt an Selbstmord und eine junge Mutter glaubt, ihr neugeborenes Kind sei der Teufel. Das Psychogramm dieser Kleinstadt ist alles andere als beruhigend - doch wer von ihren Bewohnern war der unheimliche nächtliche Besucher, wer ist verantwortlich für die grausame Tat?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2006

Paulus Hochgatterer ist mit seinem Österreich-Krimi "Die Süße des Lebens" eine "scharfe Gesellschaftsstudie" gelungen, lobt Rezensent Franz Haas. Der Autor erzähle, wie inmitten einer idyllischen Landschaft ein grauenerregender Mord geschieht, der der einzigen Augenzeugin, der siebenjährigen Enkelin des Opfers, die Sprache raubt. Hochgatterer schildere die Aufklärung des Verbrechens abwechselnd aus der Perspektive der vier Hauptfiguren, darunter eines Kinderpsychologen, eines Kriminalpolizisten, eines spleenigen Paters und eines sadistischen Halbwüchsigen. Dabei trifft er die Sprache seiner Personen im Allgemeinen zwar gut, lobt der Rezensent. Allerdings bemängelt er einen Hang des Autors zur narrativen Behäbigkeit, so dass die "geringe Spannung" der Sprache die Faszinationskraft der Krimihandlung einschränke. Doch im genauen Blick seiner Darstellung des Seelenlebens der Provinz gelingt dem Autor nach Ansicht des Rezensenten ein "beeindruckend schauriges Panorama" einer nur scheinbar heilen Idylle und ein tiefgehendes Gesellschaftsporträt Österreichs.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.11.2006

Oliver Pfohlmann findet das Mordmotiv in diesem Seelenkrimi von Paulus Hochgatterer so unoriginell, dass er sich nicht scheut, es gleich zu Beginn seiner Besprechung zu verraten. Immerhin nennt er wenigstens nicht Ross und Reiter, und die Lust auf dieses Buch will er eigentlich auch gar nicht nehmen. Denn der Plot sei gar nicht so entscheidend, viel interessanter findet er das "Panoptikum gefährdeter und verstörter Seelen", das der gelernte Psychiater Hochgatterer hier präsentiert, angesiedelt in einem fiktiven Nest am See, "ein wahres Lynchville". Dabei sind alle mitspielenden Personen gänzlich überfordert, der Psychopath ebenso wie der liebesversehrte Kommissar und die Nervenärzte. Für den Rezensenten steht fest, dass Hochgatterers Werke, die die Grenze zwischen Fantasie und Realität, Normalität und Wahnsinn aufheben, bisher viel zu wenig Beachtung gefunden haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2006

In die große österreichische Tradition der Heimatbeschimpfung hat sich Paulus Hochgatterer mit diesem Roman geschrieben, lobt Rezentin Pia Reinacher, dessen Titel "Die Süße des Lebens" bitte als bitterer Hohn zu verstehen sei. Denn natürlich lauern in diesem Thriller hinter den friedlichen Fassaden des beschaulichen Provinzstädtchens Furth am See der Wahnsinn und die abgründigsten Monstrositäten. Hochgatterer ist von Profession aus Psychiater, und laut Reinacher liegen seine Stärken nicht so sehr im Erzählkonzept - das findet die Rezensentin tatsächlich etwas schwach- , sondern in der akribischen Zerlegung seiner Figuren. Ihn interessieren Zerrissenheit, komplexe Identitäten oder "heimtückische Brutalität" aus der psychoanalytischen Perspektive und Reinacher fühlte sich davon durchaus in "Angstlust" und "halb entrüstete Aufregung" versetzt, aber auch verführt: "Wo der österreichische Schriftsteller das Böse im Zuckerguss verpackt und als vergiftete Pralines anbietet, erliegt man ihm auf der Stelle."
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