Pannonica de Koenigswarter

Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche

Cover: Die Jazzmusiker und ihre drei Wünsche
Reclam Verlag, Stuttgart 2007
ISBN 9783150106532
Gebunden, 312 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Um nicht von Sensation zu sprechen: Dieses Buch ist für jeden Jazzfan eine überaus freudige Überraschung, es rührt an und lässt wundern: Die fabulöse Nica, Baronesse Pannonica de Koenigswarter geb. Rothschild, Mentorin und Vertraute sozusagen aller Jazzer im New York der 50er und 60er Jahre, die Frau, in deren Wohnung Charlie Parker starb und Thelonious Monk neun Jahre lebte, namentlich verewigt in zwei Dutzend Jazzstandards, Nica also hat mit einer Polaroid-Kamera 300 ihrer Jazzmusikerfreunde fotografiert und ihnen allen die Frage gestellt, was sie sich wünschen würden, hätten sie drei Wünsche frei, um daraus irgendwann einmal ein Buch zu machen. Sie selbst ist nicht mehr dazu gekommen, ihre Enkelin Nadine hat den Schatz im letzten Jahr heben können und das Projekt zu einem späten glücklichen Ausgang gebracht. Und da sieht man sie alle, in rauen ungeschönten, teilweise zerfallenden, aber um so kostbareren Fotos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2008

Die entzückendsten Bücher entspringen manchmal den schlichtesten Ideen, muss Wolfgang Sandner angesichts dieses Buches feststellen. Von 1961 bis 1966 befragte Baronesse Pannonica de Koenigswarter 300 Jazz-Musiker nach ihren drei größten Wünschen und dokumentierte diese nebst einem selbst geschossenen Polaroid-Foto für ein Buch, das erst posthum im vorigen Jahr auf Französisch herauskam und nun schließlich in einer deutschen Fassung vorliegt. Koenigswarter, erklärt der Rezensent, war eine ebenso bedeutende wie schillernde Mäzenin der New Yorker Jazz-Szene und unterstützte vor allem schwarze Künstler wie Charlie Parker und Thelonious Monk. Auch wenn die Fotos überwiegend Schnappschussqualität haben und die Antworten der Musiker zum Teil nicht sehr überraschend ausfallen, bietet das Buch doch einen bemerkenswerten Einblick in ein spannendes Kapitel "musikalischer Sozialgeschichte", denn viele der befragten Künstler wünschen sich vor allem, in angenehmeren Umständen musizieren zu können, meint Sandner, der sich auch freut, dass die Zeiten für "spleenige" Ideen im Verlagsgeschäft besser geworden sind.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.11.2007

Höchst fasziniert und aufs Äußerste begeistert ist Rezensent Konrad Heidkamp vom Jazzbuch der Baronin Koenigswater, geborene Rothschild, das er auch als "kleinen Schock" empfand - so gründlich räumt es seinem Eindruck zufolge mit den schwarz-weiß verklärenden Mythen auf, enthüllt die verzweifelten Abgründe hinter den legendären Namen und Gesichtern. Aber auch die Figur der Autorin und Jazz-Mäzenin selbst, die für ihn "als Frau, Jüdin und Adelige" in völligem Widerspruch zur männerdominierten, unterpriviligierten schwarzen Jazz-Szene steht, elektrisiert ihn sehr: als Märchenfee im Bentley in den fünfziger Jahren vor Harlemer Jazzclub und Freundin von Musikern wie Charlie Parker, der in ihrem Hotelzimmer an den Folgen seiner Drogensucht starb. Was diesem ebenso schönen wie desillusionierenden Buch für den Rezensenten jedoch die Aura des Sensationellen gibt, ist der Blick, den es hinter die "dekorativ tragische Kulisse" der Jazzwelt ermöglicht, in die Einsamkeit und das banale Unglück ihrer Heroen und zwar auf dem Weg über drei simple Fragen, welche die Baronesse anfang der sechziger Jahre Jazz-Größen wie Miles Davis gestellt hat - "Erfüllung ausgeschlossen".
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