Hitler hat gesiegt, die Atombombe fiel nicht auf Hiroshima, sondern auf London. Das Germanische Weltreich ist errichtet. Lediglich der großasiatische Raum wird von den Japanern beherrscht. Berlin ist die Hauptstadt der Macht, die Hauptstadt Deutschlands und damit der halben Welt. Der Papst und der Dalai-Lama werden in einer Kölner neurochirurgischen Klinik gefangen gehalten, von Irland bis zum Ural erheben sich die SS-Ordensburgen, die Zuchtmutterklöster, die Walhallen der Ariosophen, die Napolas und Untermenschenlager. Das ist die Kulisse, als Adolf Hitler stirbt und unter ungeheurem Pomp im Kyffhäuser bestattet wird. Sein Nachfolger heißt Ivo Köpfler (Heil Köpfler!).
Rezensentin Marie Schoeß feiert Otto Basils erstmals 1966 erschienenen Roman als Wiederentdeckung. Wie Basil die Dystopie des fortbestehenden "Dritten Reichs" inszeniert, detailreich und mit viel Sinn für die Unmenschlichkeit der Welt, findet Schoeß überzeugend und auch durchaus unterhaltsam, auch wenn Unterhaltung für den Autor Nebensache ist, wie die Kritikerin vermutet. Im Zentrum steht für Basil laut Rezensentin die Frage, wie der Mensch sich in totalitären Regimen wandelt, sein Denken, Fühlen Sprechen. Diese Veränderungen unter dem Einfluss des Faschismus arbeitet der Roman analytisch und plastisch heraus, findet Schoeß.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2011
Nazi-Science-Fiction? Aber ja, meint Cornelia Fiedler, die Otto Basils wiederaufgelegte Satire von 1966 als scharfe Anklage gegen das Kontinuum der deutschen Kulturpolitik nach 1945 liest. Nicht ganz ohne ist die Lektüre dennoch. Fiedler muss sich durch das apokalyptische Szenario einer durchnazifizierten Welt kämpfen. Hitler hat den Endsieg möglich gemacht, Führerkult und Rassenwahn allerorten, Zuchtmutterklöster, heideggernde Propaganda im Radio, aber Depressionen sind schlicht verboten. Durch diese schöne Gegend führt die Rezensentin ein Vertreter für nordische Daseinsberatung, ein Roadmovie der besonders finsteren Art, findet Fiedler. Die Längen des Romans nimmt sie hin. Die Detailverliebtheit des Autors nämlich hat zuallererst komische Effekte.
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