Olafur Gunnarsson

Niemand wie ich

Roman
Cover: Niemand wie ich
Steidl Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783865210487
Gebunden, 384 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Isländischen von Maria-Claudia Tomany. Reykjavik zu Beginn der fünfziger Jahre: Der Architekt Sigurbjörn Helgason setzt sich in den Kopf, das erste Kaufhaus Islands zu bauen - mit Rolltreppe! Gemeinsam mit seinem elfjährigen Sohn Thorarinn hat er diesen Traum, für den er rücksichtslos das Glück seiner Familie und Freunde aufs Spiel setzt. Als schließlich alle Widerstände überwunden scheinen, geschieht das Schreckliche: Thorarinn wird im Rohbau des Gebäudes sexuell misshandelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2005

Aldo Keel freut sich, dass mit "Niemand wie ich" nun erstmals ein Roman des Isländers Olafur Gunnarson, der im Allgemeinen "moralische und religiöse Fragen" behandle, in deutscher Übersetzung erscheint. Im Mittelpunkt stehe der Architekt Sigurbjörn Helgason. Nachdem der (real existierende) Staatsarchitekt Gudjon Samuelsson ihm seine Idee für den Bau von Reykjaviks berühmter Hallgramskirche gestohlen hat, verlegt sich der frustrierte Helgason auf Kaufhäuser, doch das Schicksal meint es mit dem "tragischen Helden" weiterhin schlecht: Es halte nurmehr "Verrat, Mord und Totschlag" für ihn bereit, wie Keel kundtut. Eine große Rolle scheint dabei die in Island verbreitete Faszination für Geister zu spielen, wobei sich die Rezension nicht eindeutig dazu äußert, ob hier tatsächlich mit überirdischen Wesen gerechnet werden muss - immerhin lautet der Originaltitel des Buches nach Informationen des Rezensenten "Kirche der Trolle".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2005

Angetan zeigt sich Gisa Funk von Olafur Gunnarssons Roman "Niemand wie ich", der vom alten, mythologisch verbürgten Frevel des menschlichen Größenwahns erzähle - "modern verpackt, aber mit bewährter Moral". Just als alles bestens für den Architekten Sigurbjörn Helgason, der das erste Einkaufszentrum Reykjaviks baut, zu laufen scheint, wird sein Sohn im Rohbau vergewaltigt. Von da an geht es mit dem erfolgreichen Architekten bergab, berichtet Funk, seine Stärken kehren in Schwäche um: "Sein Eifer wird zur Verbissenheit, seine Risikofreude zur Selbstüberschätzung, seine Vision zur fixen Idee." Der vorher so rationale Architekt beginne zu trinken, vergraule Familie und Freunde, werde aus der Kaufhaus-Geschäftsleitung ausgeschlossen. Hier fühlt sich Funk an Kleists fanatischen Pferdehändler Michael Kohlhaas erinnert, der wie der von Rache und Hybris besessene Sigurbjörn sein ein eigenes Rechtsempfinden über die herrschenden Gesetze stellt, nur dass sich Sigurbjörn auch noch Gott persönlich den Krieg erklärt. Obwohl das fatale Ende vorhersehbar ist, findet Funk den Roman, der sich mit Wertung strikt zurückhalte und sich betont nüchtern gebe, spannend zu lesen. Nicht nur, weil er ein "interessantes Porträt der isländischen Nachkriegsgesellschaft im Umbruch" abgebe, sondern auch wegen Gunnarssons Humor, der in den vielen Gesprächen immer wieder anklinge und Sigurbjörns Wahn stellenweise regelrecht amüsant erscheinen lasse.

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