Klappentext
Scheinbar Unversöhnliches trifft in den Gedichten des zweiten Bandes von Nasima Sophia Razizadeh aufeinander, und in diesem Balanceakt wird ihnen das Hin- und Herschwingen, das Steigen und Sinken selbst zum Modus. Mal sprechen die Gedichte von der Amsel, mal von einem Fabelwesen, vom Kind, von einer anderen Frau, vom Vogelknochen - während sie selbst mal Festakt, mal Falltür, mal Fixpunkt sind. Vielleicht sind es die Übergänge zwischen den sieben Kapiteln des Buches, die die Geschichte dieser Entschwebung erzählen, vor- und rückwärts. In der Mitte greifen die Frage, was der Urheberin das Gedicht sei, und dessen Antworten ineinander wie Hand in Hand - Verlockung und Unglück ist dieser Abschnitt überschrieben. Und so spricht das Ich der Gedichte bereits am Anfang mit Ikarus, den Verlockungen der Höhe nicht widerstehend könnend, auch wenn es hier das Unglück ahnt: Die Flügel schmelzen, verschwistern sich mit dem Fall,die Höhe hasst mich, mich ängstigt die Höhe und ich gehorche doch dem Übermut in mir. Ein Geschenk, das sich entzieht,die Lichtspur, die verfolgte. Eingewickelt in Widersprüche,ein paradoxer Schutz,ein Kokon aus Worten, so, hell vermummt, halte ich die Lichtspur, zentripetal,in den tiefen Schlaf des Anfänglichen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2026
Rezensent Björn Hayer fühlt sich frei nach der Lektüre von Nasima Sophia Razizadehs Gedichten. Die Texte der Dichterin entführen ihn in eine "himmlische" Utopie, wo Gegensätze vereint werden, Werden und Bleiben etwa oder einfach zwei Körper. Das passiert mal leise, mal wuchtig, staunt Hayer und verliert sich gern in den Brüchen, Einschüben, Abzweigungen und "schiefen Wendungen" dieser Poesie, zumal die Autorin das reale Leben mit seinem Schmerz und seinen Sehnsüchten bei aller Kunstfertigkeit immer im Blick hat, wie er feststellt.
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