Moderata Fonte

Das Verdienst der Frauen

Warum Frauen würdiger und vollkommener sind als Männer
Cover: Das Verdienst der Frauen
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406480980
Gebunden, 280 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Sieben Frauen versammeln sich zu einem Streitgespräch über den Wert der Männer und der Frauen. Die Strategie der Anklage und der Verteidigung gibt eine achte Frau vor: die Verfasserin Moderata Fonte, Gemahlin eines venezianischen Anwalts, Mutter von fünf Kindern und literarisch vielfach bewandert. Ort des Zusammentreffens ist Venedig, ein Palazzo am Canale Grande im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Geführt wird die geistvolle und ironische Debatte über das Menschsein der Frau mit allen verfügbaren Argumenten: den theologischen der Schöpfungsgeschichte, den neuesten medizinischen Erkenntnissen, historischen Beispielen und den ganz eigenen Erfahrungen der versammelten Frauen mit dem anderen Geschlecht. Der lebensnahe Dialog bietet Einblicke in das Venedig der Spätrenaissance. Er liefert den Beweis, dass die Beziehungen zwischen Frauen und Männern wechselvoll und in jeder Epoche neu auszuhandeln sind.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.12.2001

Was haben sieben venezianische Gentildonne der Renaissance mit den vier Single-Frauen der Fernseh-Serie "Sex and the City" zu tun? Sie reden über Männer, so Ulrike Herrmann, und zwar nichts Gutes. Das Genre des imaginären Frauengesprächs habe literarisch einen langen Vorlauf. Fonte, die laut Herrmann eigentlich klangvoll Modesta dal Pozzo de Zorzi hieß und im 16. Jahrhundert in Venedig lebte, lässt nämlich sieben Frauen in einem Palastgarten am Canale grande die Geschlechterfrage erörtern. Zwar sah damals einiges anders aus als heute - beispielsweise durften Frauen nicht ledig leben: sie mussten in die "Nonnenhölle" oder wurden als Haushaltskraft versklavt -, aber die sieben Damen kommen zu demselben Schluss wie Simone de Beauvoir, meint Herrmann: Man wird nicht zur Frau geboren, sondern gemacht. Sogar vor einer Bibelumdeutung schreckten die venezianischen Weiber nicht zurück; da sie die Wissenschaften für parteiisch hielten, sorgten sie argumentativ vor. Der Text liegt erstmals in vollständiger Übersetzung vor, berichtet Herrmann, von der Historikerin Daniela Hacke sorgfältig übersetzt und kommentiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.11.2001

"Moderata Fonte" ist ein Pseudonym, verrät Kristina Maidt- Zinke. Die Frau, die sich dahinter verbirgt, hat in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelebt und geschrieben. Sie stellt, freut sich die Rezensentin, "so einiges von Alice Schwarzer und Konsortinnnen in den Schatten". In ihrem erst nach ihrem Tod veröffentlichen Dialog in der Tradition der "Querelle" debattieren sieben Frauen der gehobenen Schicht und von unterschiedlichem Familienstand über das "'Menschsein' der Frau". Aus ihren Debatten ergibt sich ein alles andere als vorteilhaftes Bild des Mannes, weiß die Rezensentin. Unter den Freundinnen befindet sich eine, die in selbstbestimmter Männerlosigkeit lebt und so interessant von den unterschiedlichsten Wissensgebieten referiert, dass die anderen lieber ihr lauschen als sich über die Männer zu beklagen, führt sie aus. Maidt-Zinke findet die Lektüre dieses Buches nicht nur unterhaltend, man erhalte darüber hinaus "einen außerordentlichen Einblick in das Alltagsleben und den Zeitgeist der Serenissima des späten Cinquecento". Die Arbeit der Herausgeberin Daniela Hacke, die mit ihrer Übersetzung für eine gut lesbare deutsche Fassung gesorgt und noch dazu mit Kommentaren und einigen Gedichten der Autorin angereichert und durch zeitgenössische Kupferstiche verschönert habe, findet Maidt-Zinke besonders dankenswert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001

In höchsten Tönen lobt Bea Lundt dieses Buch der Moderata Fonte aus dem 16. Jahrhundert, in dem diese mit gebildeten adligen Damen über die Rolle der Geschlechter debattiert. Das Buch, das am Anfang der "Querelle des Femmes" stand, zeichne sich durch eine "unabhängige und phantasievolle" Argumentation aus. Zugleich gilt das Lob der Rezensentin der Historikerin und Übersetzerin Daniela Hacke, die dem Leser mit einer informativen und lesenswerten Einleitung und einem umfangreichen Anhang mit Erläuterungen und Literaturhinweisen zur Seite stehe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001

Dieses Buch ist, wie Rezensent Hans-Albrecht Koch gleich zu Beginn seiner Besprechung, ausführt, nicht als eine Darstellung der damaligen Verhältnisse zu verstehen. Überdies stehe es nicht so sehr in einem "Kontext des Geschlechterstreits", der die damaligen Gemüter erhitzte, sondern sei Ausdruck einer konkreten politischen Situation. Die Dialoge seien kunstvoll geführt, und die Frage, wie Männer Frauen besser behandeln könnten, werde ironisch erläutert. So handelt es sich dabei auch um einen "Beitrag zur Popularisierung akademischen Wissens". Überdies ist der Band reich ausgestattet mit Reproduktionen von Kupferstichen, lobt Koch.
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