Sommerinselkinder - das waren er und sein Bruder Stipe, seit sie zum ersten Mal die Ferien auf Fehmarn verbrachten, zusammen mit der Mutter und dem wiederaufgetauchten Vater. Während die Risse in der Ehe der Eltern erneut aufbrechen, gewinnen andere Erfahrungen an Beständigkeit und Tiefe: Ausflüge zum Niobe-Denkmal, das Leben auf dem Land am Meer, Nachtfahrten mit dem Traktor, erste Sommerlieben und prägende Lektüren. Daneben Bilder von blühendem Raps und Mohn, von Dünen und Kliffs, die den Erzähler sein Leben lang begleiten und ihm später wiederbegegnen auf den Fehmarn-Gemälden Ernst Ludwig Kirchners. Mirko Bonné verwebt seine Reflexionen über die Ostseeinsel mit Betrachtungen von Freundschaft, Erinnerung und Liebe und mit Fehmarns Geschichten von Hexenverfolgungen und der Heydrich-Witwe, von Campingurlauben des NSU und von Jimi Hendrix.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2017
Rezensent Till Briegleb bekommt kein sentimentales Lob der Nordsee mit Mirko Bonnés neuem Roman. Dass der Autor stattdessen eine Archäologie des Deutschseins und ein Drama der menschlichen Existenz anhand der alljährlichen Sommerurlaube seines jungen autobiografisch grundierten Helden entwirft, scheint Briegleb bemerkenswert. Die Erlebnisintensität des Kindes im Ferienmodus kann der Autor dem Rezensenten wenngleich mitunter etwas altklug, so doch überzeugend vermitteln. Zu den Genrebildern aus der alten BRD gesellen sich laut Briegleb die philosophische Frage nach dem Sosein des Menschen sowie historische Tiefenschürfungen zu Heinrich Himmler, Ernst Ludwig Kirchner und Jimi Hendrix und machen die Lektüre zu einem facettenreichen Erlebnis.
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