Maria Mies

Globalisierung von unten

Der neue Kampf gegen die wirtschaftliche Ungleichheit
Rotbuch Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783434530848
Broschiert, 210 Seiten, 13,29 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.07.2001

Andreas Lehmann verfasst mit seiner Besprechung des Buches der emeritierten Soziologie-Professorin und Globalisierungsgegnerin Maria Mies einen Totalveriss. Für den Rezensenten ist der Band ein "Dokument des Unbehagens" einer "linken Szene", die gegen alles mögliche ist, aber weder klare Analysen noch praktikable Gegenstrategien vorbringe. Mit "überbordendem Frohsinn", "Größenwahn" und "Kitsch" beschreibe Mies den Aktionismus der Anti-Globalisierungs-Aktivisten und biege darüber hinaus auch noch in die sprachliche Wiederholungsschleife ein. Für Lehmann stecken die Autorin wie auch andere Aktivisten in einem Dilemma: Begriffe wie "Globalisierung" und "Kapitalismus" würden auf der Seite der Verschwörungstheoretiker genauso schwammig eingesetzt wie auf der "Beschwörerseite". Und Mies' "Subsistenzperspektive" - das Projekt vom "neuen Leben" - findet der Rezensent reichlich utopistisch. Was nun Lehmann selbst von den Protesten gegen WTO, Weltbank und andere Handlungsträger hält - das mag der Rezensent wiederum dem Leser nicht verraten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2001

Vier Bücher gegen die Globalisierung und den "neuen Turbokapitalismus" stellt Wolfgang Uchatius in seiner Besprechung einander gegenüber: Viviane Forresters "Die Diktatur des Profits" (Hanser Verlag), Maria Mies' "Globalisierung von unten" (Rotbuch Verlag), George Soros' "Die offene Gesellschaft" (Alexander Fest Verlag) und "Politik ohne Macht", von Niall Ferguson.
1) Viviane Forrester: "Die Diktatur des Profits"
Ein lautes, von einem sektiererischen Ton durchdrungenes Pamphlet nennt Wolfgang Uchatius diesen Band, der Forresters Erfolgsbuch ("Terror der Ökonomie"), wie er sagt, dem Muster nach gleiche. Recht verwunderlich findet es der Rezensent, dass die Autorin zum Widerstand gegen die fremden Mächte aufruft und zum Kampf gegen das System des "Ultraliberalismus", ihr Wissen aber allein aus den Medien zu beziehen scheint. Der ihm aus diesen Seiten entgegentretende Traum vom Happy End wird ihm so wohl utopisch erscheinen.
2) Maria Mies : "Globalisierung von unten"
Im Ton Viviane Forresters "Diktatur des Profits" ebenbürtig, wolle die Autorin - Vordenkerin in ihrer Sache in Deutschland - der Verdummung entgegenwirken, schreibt der Rezensent etwas ungläubig, handelt es sich bei dem Buch doch offenbar vor allem um eine Beschreibung der Antiglobalisierungsbewegung und eine Chronik der Proteste vor und nach der Tagung der WHO in Seattle. Im Duktus der Umweltbewegung, so Uchatius, werde hier von sich weltweit solidarisch zusammenschließenden Menschen an der Basis geschwärmt.
3) George Soros: "Die offene Gesellschaft"
Auch mit dem dritten Buch im Bunde ist Wolfgang Uchatius nicht zufrieden. Zwar findet er den Ton des 70-jährigen Soros durchaus sachlicher, unaufgeregter und wissenschaftlicher als denjenigen Forresters und Mies', der Versuch des Autors, der Wirtschaftswissenschaft Unwissenheit vorzuwerfen aber und um den Begriff der Reflexibilität eine Gegentheorie zu konstruieren, erscheint ihm ganz und gar nicht neu. Zumal, wenn dieser Gedanke auf über hundert Seiten "breitgewalzt" wird. "Soros scheitert kolossal", lautet denn auch das vernichtende Urteil.
4) Niall Ferguson: "Politik ohne Macht"
Ein Buch über die Überschätzung des Ökonomischen eher als über die Globalisierung. In einer Zeit, in der viele Globalisierung sagen, wenn sie Vereinfachung meinen, sei es gut, wenn jemand das Gesamtbild wieder ein bisschen komplizierter mache, meint der Rezensent. Dass der Autor sich dabei allerdings immer wieder im Gestrüpp der Fakten verirrt und zum Beispiel über die Entstehung der Finanzmärkte und über die Verschuldung der Weimarer Republik plaudert, wie Uchatius schreibt, wo er verspricht, Fragen zu formulieren und Antworten zu geben, ist dann wohl doch zu viel des Guten.