Ins Deutsche übertragen Jan Wagner. Mit "Dearly" veröffentlicht Margaret Atwood nach zehn Jahren erstmals wieder einen Lyrikband. Es geht darin um all das, womit sie sich, berühmtermaßen, auseinandersetzt: ob Naturbeschreibungen oder Begegnungen mit Außerirdischen, ob drängende politische Fragen oder Mythen und Legenden. Oft verspielt sprechen die Gedichte von Abwesenheit, Altern und Rückschau, aber auch von Neubeginn und Glück.
Rezensent Carsten Otte erfreut sich an Margaret Atwoods nächstem Gedichtband nach zehn Jahren Pause. Dass die Schriftstellerin so selten publiziert, ergebe sich durch ihre Methode, erklärt Otte: Atwoods Entwürfe durchlaufen mehrere Stufen der Überarbeitung und des Neuabschreibens bzw. -abtippens, und das merkt er der äußerst dichten Lyrik auch positiv an. Im Wechselspiel zwischen "bildstarken Szenen" und "existenzphilosophischen Reflexionen" geht es um die verschiedensten Themen, staunt Otte: um Wale und Werwölfe, Außerirdische, um alte frauenfeindliche Mythen, um brennende Wälder und um "friedlichen Nacktschneckensex"; und fast durchgehend beeindruckt die Dichterin den Kritiker mit motivischer Prägnanz, "zurückhaltend" eingesetzten Stilmitteln und melancholischer Naturbeschwörung - nur manchmal gerät ihm die Botschaft etwas "überdeutlich". Trotzdem hält er Atwoods Tendenz zum Plakativen in Kombination mit ihrem kritischen und "prägnanten Sprachspiel" im Grunde für eine Stärke ihrer Lyrik, wie er abschließend nahelegt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2022
Ikonisch nennt Birthe Mühlhoff die Autorin des "Handmaid's Tale" und freut sich, dass Jan Wagner den neuen Gedichtband Margaret Atwoods übersetzt hat. Die bisweilen apokalyptisch verhandelten Themen Feminismus und Umwelt kennt die Rezensentin schon aus den Romanen der Kanadierin, erstaunlich ist für sie, wie sehr die Autorin doch auch mit Hoffnung spielt. Objekte und Tiere erhielten in den Gedichten eine Perspektive, eine Gefühlswelt, die Mühlhoff sehr "nahbar" erscheint. Lyrik, die nicht experimentiert, die aber einfach schön ist, meint sie. Wenn es allzu politisch werde, bleibe es aber abstrakt, doch das kann die Rezensentin nicht von einer umfassenden Lobeshymne für den "Hoffnungsträger" Gedicht abbringen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…