Klappentext
Aus dem Serbischen von Mascha Dabić und Maja Iskra. Maja Iskras Debüt ist eine Emanzipationsgeschichte im Belgrad der 1990er Jahre. Die Protagonistin, eine junge Frau, die in Wien lebt und liebt, erinnert sich an ihre Kindheit im Belgrad der 1990er Jahre. Der Krieg ist hier fast nur als Rauschen im Hintergrund wahrnehmbar, aber das Leben zu Hause, auf der Straße und in der Schule ist hart und brutal, auch die Mädchen prügeln sich. Aber sie versöhnen sich auch wieder, lernen einander zu respektieren und zu ermutigen. Sie geben nicht auf.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.03.2026
Heute ist der Belgrader Bezirk Dorcol cool, weiß Rezensent Tino Schlench, aber dass das nicht immer so war, kann man in Maja Iskras geglücktem Debüt nachlesen, in dem ihre Protagonistin in den 1990ern dort aufwächst. Die Atmosphäre ist alles andere als entspannt, die Jugoslawienkriege bedingen Nationalismus, Gewalt, Aggression, der Umgang miteinander ist rau, lesen wir. Iskras Protagonistin boxt sich wortwörtlich durch, deswegen auch der Titel des Romans, der auf Deutsch Kinnhaken heißt, erklärt Schlench. Für ihn fügt sich das Buch zwar in eine Reihe von Texten postjugoslawischer Autoren ein, die die Kriege als Kinder erlebt haben, unterscheidet sich literarisch aber doch etwa von Barbi Markovic: Iskra ist dem Kritiker zufolge wuchtiger, härter, konzentrierter. Die Wucht ihrer Erzählung führt zwar gelegentlich zu überstrapazierten Bildern, zeigt aber auch die widersprüchliche, zerreißende Lage, in der sich die Protagonistin befindet, so der Rezensent. Neben aller Wut auf das schwierige Aufwachsen liest Schlench auch von den zarten Freundschaften und Annäherungen, die dem Roman seine reizvoll-ambivalente Gestalt verleihen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.02.2026
Rezensent Robert Mappes-Niediek sieht die in Serbien geborene und in Wien lebende Schrifstellerin Maja Iskra in der Tradition von anderen in Ex-Jugoslawien geborenen Autorinnen und Autoren wie Tijan Sila oder Barbi Markovic: Allen gemein ist ein "schillernder" Ton, frei von Empörung; ganz eigen sind deren Romane dennoch, versichert der Kritiker. Von Iskra nun lässt er sich von einer zwölfjährigen Ich-Erzählerin, die prügelt, einbricht, einen Doberman hält und gegen die Gewalt des Vates kämpft, in den Belgrader Stadtteil Dorcol in den Neunzigern nehmen. Heute gentrifiziert, herrschten dort einst schwerkriminelle Subkulturen, bis heute suchen die Menschen im zerrissenen Belgrad nach Zugehörigkeit, erinnert der Rezensent. Jene Jahre lässt die Autorin in eindringlichen Szenen vor unseren Augen entstehen, lobt der Kritiker. Vor allem aber bewundert er, dass Iskra ihre Heldin nicht in "Streetfighter-Romantik" durch die Straßen Belgrads ziehen lässt, sondern dass sie neben all der Brutalität auch immer wieder Momente von Zärtlichkeit zulässt.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.02.2026
Maja Iskras neuer Roman oszilliert für Rezensent Mladen Gladic "zwischen Trauma und Nostalgie": Er spielt in den 1990er-Jahren in Belgrad, die Jugoslawienkriege sind den Kindern und Jugendlichen, um die es geht, präsent. Nicht wegen ihrer ideologischen Aufladung, sondern als Keil, der zwischen Mobbern und wegen ihrer Fluchtgeschichte Gemobbten steckt, erklärt Gladic. In ihrem rasanten, immer wieder die Szene wechselnden Stil schreibe Iskra über ein Leben zwischen Gewalt im Land, Gewalt im Elternhaus, Gewalt in der Schule und die Frage, wie man als Mädchen, als junge Frau in einer solchen Gesellschaft groß werden kann. Für Gladic ein überzeugender Roman, dessen splitterhafte, "Flashback"-artige Elemente oft den Charakter eigener Geschichten haben, die sich aber auch gut zu einem "scharfkantigem Ganzen" zusammenfügen.
Kommentieren

