Wie nimmt ein kleines Mädchen den katholischen Glauben wahr? Was empfindet es im Angesicht eines übergroßen Altars, vor
dem ein Vertreter Gottes über den Zorn des Allmächtigen spricht? Was macht so etwas mit einem jungen Kind?
Die Hamburger Künstlerin Magdalena Kaszuba verarbeitet in "Das leere Gefäß" den Verlust ihrer geistigen Heimat, der polnischen katholischen Kirche. Bei einem Spaziergang durch die kalte deutsche Hafenstadt lässt sie die prägenden Einflüsse ihrer Kindheit Revue passieren: die polnische Ostsee, ihre streng katholische Großmutter, die Beichte vor der Kommunion und ihre Abkehr von alldem. Kaszuba bedient sich dafür einer einprägsamen Bildsprache, Detailansichten in traumartigen Aquarellfarben und schimärenhaften Sequenzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2018
Rezensent Christian Gasser stellt zwei Comics vor, die mit den üblichen Genregeschichten nichts zu tun haben: Die Bücher von Magdalena Kaszuba und Julia Hosse sind vielmehr gezeichnete Essays, die persönliche Erfahrungen reflektieren, mit Überhöhungen, Abstraktion und Assoziation arbeiten, wie der Rezensent erklärt. Magdalena Kaszuba, Tochter von nach Hamburg ausgewanderten Polen, erzählt in ihrem Band "Das leere Gefäß" von ihrer katholischen Erziehung, die ihren ursprünglichen Glauben in Hass auf Gott, die Kirche und sich selbst verwandelt hat, so der Rezensent. Ihm imponiert, wie geschickt Kaszubadie katholische Ikonografie für ihre - wortlose - Erzählung nutzt. So wird der Priester im Beichtstuhl für die kleine Magdalena zum schwarzen Panther, der gierig nach mehr Bekenntnissen verlangt. "Meisterhaft", findet Gasser.
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