Zugunruhe
Roman

Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN
9783751809627
Gebunden, 192 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Zugunruhe, das ist die Rastlosigkeit von Vögeln im Vorfeld ihrer Migration, die nächtliche Sehnsucht, das Gefühl, dem Lockruf der Ferne kaum noch widerstehen zu können - was im Umkehrschluss heißt: Nichts hält mehr an diesem Ort, der zusehends unwirtlich wird. Und unwirtlich, geradezu verloren erscheint dem Protagonisten in Levin Westermanns Debütroman die Welt - und was die Menschen in ihrem Fortschrittssturm daraus gemacht haben. Flankiert von Katastrophenmeldungen, von Berichten über Pandemie und Klimakrise, von Weltraumkolonialisierungsträumen, streift er durch Landschaften der Schweiz und Deutschlands, vorbei an Raketenstationen und misstrauischen Blicken, und protokolliert die ungezügelte Zerstörungswut der Menschen, einer Spezies außer Rand und Band, die vergessen hat, dass sie nicht allein ist auf diesem Planeten, dass sie umgeben ist von Leben, und die allen Warnungen zum Trotz nicht aufhört, jenen Sturm noch weiter anzufachen. So erweist sich die Unruhe letztlich als Ausdruck der Verfallsgeschichte von Natur und Kultur, die Westermann am Kipppunkt einzufangen weiß, als ein Aufbegehren im Angesicht des drohenden Untergangs.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2024
Mit einem veritablen Verriss bedenkt Rezensentin Tina Hartmann Levin Westermanns Roman. Wobei, ist das überhaupt ein Roman? Die Rezensentin vermutet eher einen Fall von Etikettenschwindel, denn als Erzählexperiment taugt dieses Buch, das entlang der Beobachtungen und Reflexionen einer namenlosen Hauptfigur in der hessischen Provinz, Gedanken und Zitate zu Themen wie giftigem Marsstaub, Lichtverschmutzung, sowie die Wiedereroberung der Städte durch Tiere aufreiht, nicht viel. Westermann versucht sich an Nature Writing, lesen wir, die Romanform wird dabei nicht mitreflektiert. Als These bleibt in dieser sich selbst in Rage schreibenden Prosa nur übrig, lesen wir, dass Sprache angesichts der Naturzerstörung durch den Menschen versagt. Das ist Hartmann offensichtlich zu wenig, vor allem, weil Westermann, anstatt eigene Gedanken zu fassen, stets nur Angelesenes präsentiert, teils auch noch in aufdringlich professoralem Tonfall. So kommt man, meint Hartmann abschließend, der Umweltzerstörung literarisch gerade nicht bei.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 08.06.2024
Levin Westermann fiebert quasi auf das Ende der Menschheit hin, liest Rezensent Michael Wolf in dessen Band autofiktionaler Texte, denn bestünde eine Chance der Natur auf Erholung. Westermann ist für Wolf ein feinsinniger Dichter, der Mitleid mit radioaktiv verstrahlten Kühen und missbrauchten Labortieren hat und dessen "Überforderung des Geistes" den Kritiker besonders berührt. Eine erkenntnisreiche Art von Traurigkeit vermag der Autor mit seinen Texten auszudrücken, sodass der Rezensent dabei noch einiges lernen kann darüber, wie man mit der Umwelt mitfühlt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 08.06.2024
Die titelgebende "Zugunruhe" ist tonangebend für den autofiktionalen Roman von Levin Westermann, der nicht nur von den Nervositäten und Unwegsamkeiten des Literatenlebens erzählt, sondern sich vor allem der Frage widmet, wie das Zusammenleben von Mensch und Natur gelingen soll, erklärt Kritiker Christian Metz. Westermann, der Deutscher ist, aber in der Schweiz lebt, ist 2022 mit dem Deutschen Preis für nature writing ausgezeichnet worden, was Metz diesem "ambitionierten wie beeindruckenden Hybrid" anmerkt, der Autobiografisches, Essayistisches und Fiktionales vereint und den Rezensenten neu auf die Frage blicken lässt, was Anthropozentrismus bedeutet.