Aus dem kanadischen Französisch von Michael von Killisch-Horn. Der Protagonist des Romans, Edgar, wird unweit des Grabes seiner Mutter Zeuge eines Verbrechens. Vier "apokalyptische Reiter" schänden auf einem Friedhof eine junge Frau. Der leidende Mensch, der sich später als ein Mann entpuppt und den Edgar fortan Jean nennt, wird von ihm gesund gepflegt und schließlich in einer beinahe bewusstlosen, orgienhaften Obsession gefüttert, gemästet und in seiner Wohnung festgehalten. In diesem außergewöhnlichen, düsteren Roman erleben wir Leser eine christliche Verehrung der ungewöhnlichsten Art. Der Roman ist auch eine Auseinandersetzung mit der Figur des Erlösers und dem Katholizismus, der Québec lange Zeit stark geprägt hat. Eine in Teilen uns schaudern machende Lektüre, die einige Kritiker an Erzählungen von Edgar Allen Poe oder auch an Franz Kafka erinnern wollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2020
Rezensent Niklas Bender fühlt die Klebrigkeit dieser Lektüre noch immer. Larry Tremblays Roman erscheint ihm als unheimlicher Mix aus Horror, Trash, Crime, obwohl alles ganz realistisch und wohlwollend beginnt, wenngleich auf einem Friedhof. Rasch geht es hinein in die Geschichte diverser sadistischer Abhängigkeitsbeziehungen zwischen Mutter und Sohn, Wohltäter und hilfebedürftiger Kreatur, erläutert Bender mit Gänsehaut. Wie sich das Netz der Verweise im Lauf des Geschehens verdichtet, paranoider wird, religiöse Bezüge aufnimmt und eine Gothic-Band namens "Fatal Foetus" einführt, findet Bender gekonnt gemacht, maßvoll und anregend. Die Übersetzung von Michael von Killisch-Horn trägt laut Bender dazu bei.
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