Knud Romer

Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod

Roman
Cover: Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783458173601
Gebunden, 170 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Knud Romer hat mit seinem ersten Roman in Dänemark einen Skandal ausgelöst. Er erzählt die so dramatische wie gewöhnliche Geschichte seiner deutsch-dänischen Familie und schreibt sich den Alptraum seiner Jugend im dänischen Nykobing von der Seele. Ein "deutsches Schwein" ist Knud für seine Mitschüler in Nyk, weil er anders ist als die anderen: Er trägt Lederhosen, singt deutsche Lieder und bekommt in Dänemark unübliche Pausenbrote mit in die Schule. Und ausgerechnet seine Mutter, deren erster Verlobter als Mitglied der "Roten Kapelle" von den Nazis hingerichtet wurde, wird als "Hitlerliebchen" beschimpft. Quer durch Dänemark und Deutschland führt die Geschichte seiner Familie über drei Generationen. Der dänische Großvater scheitert bei all seinen Unternehmungen und sitzt am Ende nur noch am Bahnhof und schaut den Zügen hinterher. Dessen Sohn, Knuds Vater, hingegen ist so bemüht, alles korrekt und vorbildlich zu erledigen, daß er sogar dem deutschen Heer beim Einmarsch in Dänemark behilflich ist und den Soldaten den rechten Weg nach Kopenhagen zeigt. Die deutsche Großmutter wird beim Bombenangriff auf Magdeburg schwer verletzt; grausam entstellt, ist sie für den Enkel trotzdem eine Figur von klassischer Schönheit. Onkel Hermann schließlich aus Oberfranken schenkt Knud bei jedem Besuch Splitter einer Handgranate, die ihm nach und nach aus der Haut wachsen und liefert damit das Material für Knuds großen Befreiungsschlag ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.02.2008

Große Anerkennung zollt Barbara von Becker diesem Roman von Knud Romer, der in Dänemark, wo der Autor als PR-Fachmann und Schauspieler bekannt ist, eine heftige Diskussion ausgelöst hat über die Frage, ob die Dänen in den 60er und 70er Jahren tatsächlich so deutschfeindlich waren wie in dem Buch beschrieben. Becker räumt ein, dass das Buch etwas von einem Befreiungsschlag hat, sollte auch nur die Hälfte der geschilderten sadistischen Gemeinheiten und Demütigungen, die der kleine Knud und seine deutsche Mutter im dänischen Nyköbing erdulden mussten, stimmen. Aber sie möchte den Aspekt der Abrechnung nicht überbewerten, geht es in dem Roman doch um die Geschichte einer Familie über drei Generationen. Wie Romer etwa bei den Besuchen Knuds bei seiner Verwandtschaft in Deutschland "Genrebilder deutscher Bürgerlichkeit" zeichnet, die das Klima der Adenauer-Zeit "gespenstisch" einfangen, scheint ihr überaus gekonnt. Auch die Geschichte von Knuds Mutter findet sie "eindrucksvoll" beschrieben. Neben den historisch gründlichen Recherchen lobt Becker den Humor des Autors, seine sensiblen Bilder und die souveräne Dramaturgie. Auch die Übersetzung von Ulrich Sonnenberg hat sie vollauf überzeugt. Ihr Fazit: ein "berührendes Dokument deutsch-dänischer Geschichte" und ein "bemerkenswerter literarischer Wurf".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2008

Gemischte Gefühle hegt Tilmann Lahme gegenüber Knud Romers Familienroman über Deutschenfeindlichkeit im dänischen Nest Nyköbing. Er schildert die hitzige Debatte, die das Buch in Dänemark ausgelöst hat, wo man erbittert darüber streitet, ob es in den 60er Jahren wirklich so schlimm war mit dem dänischen Hass auf die Deutschen, oder ob der Autor, ein bekannter Werbefachmann und Schauspieler, der öffentlichen Wirkung wegen maßlos übertreibt. Für Lahme jedenfalls hat die Familiengeschichte um Knud, Sohn eines dänischen Vaters und einer dänischen Mutter, der in Nyköbing der reine Hass entgegen schlägt, bis sie darin zerbricht, durchaus ihre Stärken. Er findet den Roman sehr gekonnt erzählt, oft amüsant und voll von drastisch-grotesken Zügen. Dennoch bleibt bei ihm ein "fader Nachgeschmack" zurück. Zum einen, weil ihm die extrem negative Zeichnung sämtlicher Figuren (eine Ausnahme stellt der Ich-Erzählers Knud dar) irgendwann ermüdet. Zum anderen, weil er bei der Erzählerfigur nicht ein Quentchen Selbstironie entdeckt. Das kratze schließlich am "Lack der Geschichte", meint Lahme, "an ihrer Wahrhaftigkeit, unter realen ebenso wie unter literarischen Kriterien".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2007

Knud Romers Roman "Wer blinzelt, hat Angst vor dem Tod" hat in Dänemark viel Ärger erregt, weiß Aldo Keel. Der Autor erzählt von der rigorosen Ablehnung der Dänen gegenüber seiner deutschen Mutter und allem Deutschen insgesamt und berichtet von der unter diesen Umständen schwierigen Kindheit in der dänischen Kleinstadt Nyköbing, erklärt der Rezensent. Sehr emotional hätten daraufhin Nyköbinger bestritten, dass es zu der Zeit, zwischen 1965 und 1975 überhaupt noch eine derartige Deutschenfeindlichkeit gegeben habe und den Roman als "dicke Lüge" verurteilt. Dabei handelt es sich bei dem Debütroman des 47-jährigen Autors allerdings um eine Verknüpfung von Autobiografie und Fiktion, stellt der Rezensent klar, der einen gewissen Trend für dieses Mischgenre in Dänemark und Schweden ausmacht. Wie Romer selbst erklärt habe, wolle er sein Buch auf die Situation heutiger Einwanderer in Dänemark übertragen wissen und auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen, so Keel weiter, der auch noch mitteilt, dass der Roman in Dänemark bei allem Widerspruch zum Bestseller wurde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2007

Die Lektüre dieses Romans hat Christoph Bartmann erklärtermaßen Vergnügen bereitet, weil er "treffend und witzig" sowohl deutsche wie auch dänische Muffigkeit in den sechziger und siebziger Jahren beschreibe. Dennoch zeigt der Rezensent ein großes Unbehagen in seiner Kritik, das mit der Person des Autors und der erzählten Geschichte zu tun hat. Knud Romer erzähle von einem Jungen, dessen deutsche Mutter im Nykobing so verächtlich behandelt wird, dass sie dem Alkohol verfällt. Romer gibt dem Jungen seinen Namen und erzählt in der ersten Person Singular, es scheint sich also um einen Tatsachenroman zu handeln, schreibt der Rezensent, der das aber nicht recht glauben mag. Romer ist nämlich ein Werbefachmann und gern gesehener Talkshow-Gast in Dänemark, also einer, der weiß, wie man sich in Szene setzt. Wenn es stimmt, was er schreibt, könnte man fast von einem Pogrom gegen die deutsch-dänische Familie schreiben, so Bartmann, wenn es aber nicht stimmt, dann diffamiere Romer die Einwohner von Nykobing. In Dänemark hat das Buch jedenfalls gewaltige Wellen geschlagen, erfahren wir. Immerhin bekommen auch die Deutschen ihr Fett weg: sie werden als so steif und humorlos beschrieben, wie das dänische Vorurteil es will, meint der Rezensent, den das aber auch nicht recht versöhnen kann.
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