Mit der Judikative, der rechtsprechenden Gewalt kommen viele Bürger nur sporadisch in Berührung: In der Schule im Zusammenhang mit der Gewaltenteilungslehre von Montesquieu, zu einem späteren Zeitpunkt in den Medien; insbesondere, wenn es um Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts geht. Nur wenige geraten einmal direkt mit einem Gericht in Berührung. So bleibt "die Justiz" für viele Bürger ein abstrakter Begriff, dem je nach individueller Erfahrung Gefühle des Respekts oder der Ablehnung entgegenschlagen.Was aber versteht man unter richterlichem Ermessen? Wie wird man Richterin oder Richter und in welchem Maße müssen diese unabhängig sein? Wie verwalten und organisieren sich Gerichte? Wie läuft eine mündliche Verhandlung ab und auf welcher Grundlage treffen Richterinnen und Richter ihre Entscheidung? Auf Basis welcher Parameter finden Beförderungen statt? Entscheiden Gerichte tatsächlich so langsam, wie ihnen in den Medien oft vorgeworfen wird? Auf genau diese Fragen, die häufig weder Schule noch Universität in ausreichender Tiefe und Klarheit beantworten, geht dieses Buch ein. Dabei geht es auch um ganz grundlegende Themen wie die Rechtswege, den Instanzenzug oder die Prozessbeteiligten. Dem Autor geht es dabei weniger um eine abstrakte Darstellung, sondern er kombiniert seine eigenen Erfahrungen als Richter mit Tatsachen und Fakten über die Justiz in Deutschland. Abgerundet wird das Werk mit Lösungsansätzen für Gefährdungen, denen die Justiz aktuell ausgesetzt ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2026
Ein genuin aufklärerisches Buch hat Klaus Rennert hier verfasst, jubelt Rezensent Klaus Ferdinand Gärditz. Der Kritiker freut sich, dass in diesem Buch über den Richterberuf in Deutschland einmal weder das Verfassungsgericht noch spektakuläre Strafprozesse im Zentrum stehen, sondern die Alltäglichkeit eines Berufsstandes, der die verschiedenen Fachgerichtsbarkeiten, insbesondere im Bereich Verwaltungsrecht, am Laufen hält. Noch besser: Das alles ist mit Blick auf ein breites Publikum geschrieben, und doch können auch Menschen mit Vorwissen noch etwas lernen, wenn Rennert zum Beispiel über Kollegialspruchkörper, die Rolle von Laienrichtern oder die Funktion der Dienstaufsicht schreibt. Die zahlreichen Beispiele, anhand derer Rennert ins Thema einführt, zeichnen sich durch Lebensnähe aus, Skandalchroniken interessieren ihn nicht. Hier lernt man, so Gärditz, wie Richter dazu beitragen, das Gemeinwesen funktionsfähig zu halten. Und man lernt auch viel darüber, weshalb einerseits der Richterberuf notwendig politisch ist, und warum andererseits richterliche Entscheidungen politisch neutral bleiben müssen. Alles in allem eine mustergültige Veröffentlichung, schließt die durchweg positive Besprechung.
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