Klaus Kordon

Krokodil im Nacken

(Ab 14 Jahre)
Cover: Krokodil im Nacken
Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2002
ISBN 9783407808936
Gebunden, 796 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts ist der brisante Stoff, aus dem Klaus Kordons Meisterwerke sind: In seinem neuen Roman erzählt er die bewegende Lebensgeschichte des Manfred Lenz, der nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR ein Jahr in Stasi-Gefängnissen verbringt. Lenz - das Alter Ego des Autors - erinnert sich an seine Kindheit, seine Jugend und die Verzweiflung, die ihn mit seiner Familie zur Flucht in den Westen zwingt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.01.2003

Rezensent Jochen Schmidt zeigt sich begeistert von Klaus Kordons Roman "Krokodil im Nacken", einer spannenden Lebensbeschreibung des DDR-Bürgers Manfred Lenz, der nach einem gescheiterten Fluchtversuch, getrennt von Frau und Kind, in Stasieinzelhaft genommen wird. Der Roman ist für Schmidt zugleich ein Bericht darüber, wie die DDR es geschafft habe, ihre eigentlich loyalen Bürger zu vergraulen, bis sie die Flucht ergriffen oder einknickten. Besonders stark findet Schmidt Kordons Schilderung des kleinkriminellen, proletarischen Milieus im Prenzlauer Berg, wo Lenz Kindheit und Jugend verbringt. Das "Erstaunlichste" an Kordons Buch ist für Schmidt aber, dass der Autor keine alten Rechnungen begleicht. "Es ist mehr als eine Abrechnung mit der DDR", urteilt Schmidt, "es zeichnet vor allem die beispielhafte Biografie eines Kindes ärmlicher Herkunft aus dem Prenzlauer Berg nach."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.11.2002

Roswitha Budeus-Budde kennt und schätzt Kordon bereits als Kinder- und Jugendbuchautor, und sie ist auch von seiner Autobiografie sehr beeindruckt. In der Lebensbeschreibung wird die Berliner Kindheit bei seiner Mutter und in Kinderheimen geschildert, wie auch seine wachsende Unzufriedenheit mit dem Leben in der DDR, fasst Budeus-Budde zusammen. Was Kordons Alter Ego Lenz wegen eines Fluchtversuchs in einem DDR-Gefängnis zu ertragen hat, erschüttert die Rezensentin wegen der Grausamkeit, mit der den Häftlingen zugesetzt wird. Dabei erzähle der Autor aus der "unglaublichen Fülle seiner Erlebnisse" nie "staubtrocken", sondern immer mit Sinn für das "Komische", lobt sie. Hier werde nichts "beschönigt" und nichts vergessen, meint die Rezensentin abschließend, die hinter dem "lakonischen Tonfall", mit dem die Autobiografie erzählt ist, das "Entsetzen" sieht, das sich dahinter verbirgt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

"Klaus Kordon hat den Roman seines Lebens geschrieben: Manfred Lenz ist sein Alter Ego", jubelt Reinhard Osteroth. Dieser Manfred Lenz, so erfahren wir, sitzt wegen Republikflucht in einer Gefängniszelle und erinnert sich an seine Kindheit und Jugend, das Aufwachsen in und Herauswachsen aus der DDR. "Erstaunlich frei", so befindet Osteroth, bewegt sich der Autor auf den verschiedenen Zeitebenen. Obwohl das Buch fast 800 Seiten zählt, werde es nicht langweilig. "Die Zeitsprünge verhindern die Einströmigkeit und erhöhen die Spannung", kommentiert der Rezensent und erzählt uns dann mit einiger Begeisterung über Form und Inhalt die Geschichte des Manfred Lenz. Es ist eine Berliner Geschichte, von der schlesischen Großmutter der Kaiserzeit bis zum Protagonisten als "Freund der Jugend" in der DDR, die vom Prenzlauer Berg und "Grotewohl Express" über Kinderheim, jugendliche Westbesuche in Kreuzberg bis zum "VEB Kraftwerk Oberspree" und schließlich in die Einzelzelle im Stasiknast führt: Es sind die "Menschen und Milieus", die den "Reichtum des Romans" ausmachen, lobt Osteroth und empfiehlt dringend die Lektüre - nicht nur für junge Leser.
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