Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630877723 Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Karin und Wolf Kohlmann sind ein Geschwisterpaar, das Ende der 1960er-Jahre in der DDR aufwächst, in einer mitteldeutschen Chemiestadt. Wolf will nichts wie weg. Nach dem Dienst in der Volksmarine macht er als Kameramann und Fotograf in der Hauptstadt Karriere. Doch wird er von seiner Schwester Karin immer wieder gezwungen, nach Hause zurückzukehren - in die Enge der Plattenbausiedlung, in die vermeintlich heile Welt ihrer Kindheit. Oder Tillandsia Grütz. Eine junge Frau, die in der ersten Minute des Jahres 2000 geboren wurde - mit einem außergewöhnlichen analytischen Verstand. Ein Nerd-Girl, das in seiner eigenen Welt lebt. Ebenso bewundert wie einsam. Schon als Kind aber beschäftigt sie eine scheinbar merkwürdige Frage: Wie kommt es, dass sie nicht in der Lage ist zu gähnen, wo ihr doch alles andere in den Schoß fällt?
Rezensentin Julia Schröder liest in Kerstin Hensels neuem Buch zwei Erzählungen über das "Periodensystem menschlicher Anziehungskräfte": In der ersten sind es die Geschwister Karin und Wolf Kohlmann, deren Eltern in einer DDR-Chemiefabrik schuften und deren Leben durch die Chemie bisweilen verätzt wird. Die DDR-Eindrücke erscheinen Schröder, als blicke sie in den Mini-Guckkasten "Stereomat" der DDR, was aber leider auch ins Gestelzte und Übertriebene kippen kann. Das gilt auch für die zweite Geschichte, in der die Protagonistin Tillandsia Grütz ein Problem mit einem übertriebenen Gähnzwang und eine Affäre mit einem rechten, hässlichen und vor allem sehr alten Professor hat. Sie interessiert sich auch für Flusspferde, diese Verbindungen von Mensch und Tier sind bei Hensel typisch, weiß die Kritikerin. Die bewusst ausgestellte Künstlichkeit der Texte geht allerdings oft nicht auf, zu klischeehaft gerät dabei vieles, was Schröder bedauert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensentin Elena Witzeck bewundert die poetische Sprache in den Texten von Kerstin Hensel. Inhaltlich scheint sie nicht so begeistert zu sein. Die beiden in diesem Band enthaltenen Erzählungen, eine über einen homosexuellen Mann in einer DDR-Industriestadt, die andere über eine von der Mutter kleingehaltene junge Frau im Jahr 2000, versucht Witzeck zueinander in Beziehung zu setzen. Verbindet die Geschichten eine irritierende Unerbittlichkeit und die Figuren das Kämpferische? Und was will Hensel uns damit zum Thema Freiheit sagen? Ob Märchen oder Kommentar zur Gegenwart, vermag Witzeck nicht zu sagen. Aber spannend und sprachlich beeindruckend findet sie die beiden recht langen Erzählungen schon.
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