Kazumi Yumoto

Eine Schublade voller Briefe

(Ab 13 Jahre)
Cover: Eine Schublade voller Briefe
Sauerländer Verlag, Düsseldorf 2003
ISBN 9783794180141
Gebunden, 176 Seiten, 13,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gabriele Haefs. Chiaki zieht mit ihrer Mutter in ein neues Haus, in dessen Hof eine wunderschöne riesige Pappel steht. Die Vermieterin, eine seltsame alte Dame, ist dem Mädchen ein wenig unheimlich. Mit alten Büchern gefüllte Regale reichen bis unter die Decke ihres Wohnzimmers, ein steinerner grüner Drache schaut auf die Besucher herab und dann ist da noch eine pechschwarze Kommode mit goldenen Metallgriffen. Eines Tages erzählt die Vermieterin dem Mädchen ein Geheimnis: Sie übermittelt Briefe an die Toten. Wenn sie einmal stirbt, wird sie die Briefe in die nächste Welt mitnehmen. Vorerst bewahrt diealte Dame sie in der obersten Schublade ihrer Kommode auf. Von diesem Tag an schreibt Chiaki regelmäßig Briefe an ihren verstorbenen Vater.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.03.2004

"Keine Scheu vor ernsten Themen" findet Ludger Lütkehaus in dem "berührenden" Roman Yumotos. Mit "gut versteckter Güte" und "Witz" habe die Kinderbuch- und Hörspielautorin die "bemerkenswerte Frau Yanagi" ausgestattet, zu der die Protagonistin, das Mädchen Chiaki, eine besondere Beziehung entwickelt. Frau Yanagi, die Vermieterin des Hauses, in das die sechsjährige Chiaki mit ihrer Mutter zieht, hütet eine "Schublade voller Briefe". Als eine Art "Briefträger fürs Jenseits", wie der Rezensent pointiert, soll sie im Auftrag von Hinterbliebenen deren verstorbenen Angehörigen die Post überbringen. Auch Chiaki beginnt im Laufe des Buches Briefe an ihren geliebten Vater zu schreiben. In dem "metaphysischen Briefkasten" entdeckt Lütkehaus ein "schönes Symbol" dafür, dass Schreiben "die Beziehung zu den Toten aufrecht" erhalte. Der Ausgang von Chiakis Schicksals bleibt offen und ein "Vielleicht" setzt der spürbar bewegte Rezensent hinter die Aussicht, dass mit dem Schreiben von Briefen ins Jenseits ein Kind "den Verlust seines Vaters verschmerzen kann".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.11.2003

Ein berührendes Buch hat Kazumi Yumoto mit "Eine Schublade voller Briefe" vorgelegt, meint Rezensentin Isabelle Erler angetan. Es erzählt die Geschichte des Mädchens Chiaki, dessen Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Sehr ruhig und dadurch umso dramatischer schildere Yumoto, wie das Mädchen sich mit dem Tod und dem eigenen Schmerz auseinander zu setzen beginnt. Dies gelinge ihr vor allem mit der Hilfe der alten Frau Yanagi, die sie dazu animiert, Briefe an ihren verstorbenen Vater zu schreiben. Besonders erfreulich findet Erler, dass die Autorin bei diesem heiklen Thema nicht auf Humor verzichtet und ihrer Protagonistin am Ende "eine versöhnliche Perspektive" gönnt.
Stichwörter