Becky Manawatu
Auē
Roman

Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783520630018
Gebunden, 464 Seiten, 27,00 EUR
ISBN 9783520630018
Gebunden, 464 Seiten, 27,00 EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Jana Grohnert. Neuseeland, heute. Nach dem Verschwinden seiner Eltern lässt der junge Maori Taukiri seinen achtjährigen Bruder Ari zurück, flieht mit seinem Surfbrett und seiner Gitarre auf die Nordinsel, um dort dem Strudel aus Verzweiflung und Schuld zu entkommen, in den er hineingeboren wurde. Doch auē ertönt im Geräusch des Meeres, das er liebt und zugleich hasst, in der Musik, die er der Gitarre entlockt, die seinem Vater gehörte, in der Gewalt, die seine Familie verfolgt, bestimmt die Scham darüber, dass er seinen Bruder alleine gelassen hat. Aber sein Bruder Ari ist stärker, als es den Anschein hat, und er hat eine Freundin, und seine Freundin hat einen Hund, und diese drei zusammen sind vielleicht stark genug, um den Strudel aus Verzweiflung und Schuld umzukehren.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.06.2025
Ein eindrückliches Buch hat Becky Manawatu laut Rezensent Martin Zähringer geschrieben, ein Buch über Gefühle, das keineswegs sentimental daher kommt. Zwei Erzählstränge gibt es: Zum einen geht es um zwei Brüder, den achtjährigen Ari, der bei seiner Tante lebt und sich mit einem gleichnamigen Mädchen zusammentut, sowie dessen älteren Bruder Tauriki, der in seinem Auto lebt und langsam auf die schiefe Bahn gerät. Zum anderen geht es um Sav und Jade, zwei Cousinen, die gemeinsam mit Gleichaltrigen ein hartes, von Drogenmissbrauch geprägtes leben führen. Heftig geht es in dieser zweiten Ebene der Erzählung zu, so der Kritiker: ganz anders als in den naiver anmutenden Passagen über Ari. Die Figuren sind allesamt Maori: Der Titel des Buches verweist auf ein Trauerritual dieser Volksgruppe, und im Laufe des Buches beginnen einige Handelnde, sich auf die Traditionen der Kultur, der sie entstammen, zu besinnen. Zähringer gefällt insbesondere die empathische Haltung der Autorin ihren Figuren gegenüber. Therapie in Literaturform ist das, schließt der Rezensent, klagend aber auch poetisch und leuchtend.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2025
Kritikerin Katrin Doerksen zeigt sich begeistert von Becky Manawatus Debütroman: Manawatu ist selbst Maori und um die Maori, genauer um zwei verwaiste Brüder, geht es auch in ihrem Buch. Der schwer traumatisierte Taukiri lässt den Bruder Ari nach dem Tod der Eltern bei einem gewalttätigen Onkel zurück und stürzt sich selbst in ein ziemlich unstetes, bisweilen kriminelles Leben, erfahren wir. Neben der Brüdergeschichte gebe es auch einen Krimiplot sowie eine Liebesgeschichte und die Erinnerungen eines Geistes zu lesen, was wegen des eingestreuten Maori-Vokabulars und der Perspektivwechsel nicht immer ganz einfach, aber lohnenswert sei. Doerksen lobt besonders die Kapitel aus der Sicht des jüngeren Bruders als "eine Perle empathischer Erzählkunst", die sich perfekt mit den Naturgewalten verbinden, die diesen Text sprachlich und inhaltlich durchziehen. Dass Manawatu nicht davor zurückschreckt, nicht nur die rassistische Gewalt gegen die Maori, sondern auch die Gewalt, die sie selbst verüben, zu schildern, hat in Neuseeland für Kontroversen gesorgt, erzählt die Rezensentin noch, aber diese Geschichte einer Community, die auch von Wut und Trauer geprägt ist, wird Bestand haben, prophezeit sie.
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