Karl H. Hörning

Experten des Alltags

Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens
Velbrück Verlag, Weilerswist 2001
ISBN 9783934730335
Gebunden, 267 Seiten, 30,17 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Ludger Heidbrink bespricht zwei Bücher, die sich mit Ethik und Wissen beschäftigen.
1.) Robert Spaemann: "Grenzen. Zur ethischen Dimension des Handelns"
Heidbrink stellt fest, dass es dem Autor in seinem Band mit Aufsätzen und Reden aus 40 Jahren um die "Aktualisierung" der antiken Moralphilosophie geht. Dabei versuche Spaemann, die Ethik aus ihrer "Unbestimmtheit" herauszulösen, indem er sie an eine göttliche Instanz bindet. Dem kann der Rezensent nicht zustimmen und genauso verurteilt er die "inquisitorische Härte" mit der Spaemann gegen Abtreibung, Euthanasie u. a. argumentiert. Ihm ist diese moralische Theorie viel zu dogmatisch, zumal, wie er kritisiert, die von Spaemann als "Konsequentialismus" verurteilte Haltung "durch die Hintertür wieder" eintritt.
2.) Karl H. Hörning: "Experten des Alltags. Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens"
Der Rezensent scheint dem Aachener Soziologen beizupflichten, wenn dieser nachzuweisen versucht, dass der Umgang mit technischen Neuerungen weniger von konkreten Kenntnissen als von `kulturellem Hintergrundwissen` bestimmt ist, wie der Autor es ausdrückt. Er zitiert zustimmend Hörnings Ansicht, dass die hochentwickelte Technik den Menschen zum "Artisten der Improvisation gemacht" hat und dass sie letztlich eher dem Zweck der kreative Alltagsbeherrschung als der Naturbeherrschung dient, wie beispielsweise Spaemann argumentiert. Heidbrink hat an dem Buch nichts zu bemängeln, so dass man davon ausgehen kann, dass es seinen Beifall findet, aber explizit lobend äußert er sich nicht.