Karen Russell

Swamplandia

Roman
Cover: Swamplandia
Kein und Aber Records, Zürich 2011
ISBN 9783036955148
Gebunden, 512 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Simone Jakob. Die Familie Bigtree ist weit über Floridas Sümpfe hinaus für ihren Vergügungspark Swamplandia berühmt. Ava träumte zwar schon immer davon, der große Star der Alligatoren-Show zu werden, doch seit dem Tod ihrer Mutter bleiben die Zuschauer weg. Nachdem erst ihr Bruder, dann ihr Vater aufs Festland verschwanden sind, ist das Mädchen alleine für die Insel und die siebzig Alligatoren verantwortlich und für ihre ältere Schwester Osceola, die ihr Herz an einen Geist verloren hat. Als auch noch Osceola abhaut, bricht Ava zu einer gefährlichen Odyssee durch den Sumpf auf. Statt gegen Alligatoren kämpft sie nun um ihre Familie und entpuppt sich dabei als wahre Heldin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2011

Amerikas "schrille Festlandwelt" gegen die "Untiefen der Sümpfe". An dieser Grenzlinie verläuft für Martin Zähringer der Konflikt in Karen Russells "Swamplandia", aber es ist eher ein ästhetischer Gegensatz als ein zivilisatorischer, denn so pauschal fällt Zähringers Meinung nach Russells Kritik nicht aus. An beiden Ufern herrscht die Logik des Freizeitparks, egal ob die Bäume echt oder aus Plastik sind. Auf beiden Seiten wuchert die Krise und bedroht die Existenz der Protagonisten, und das macht Russells "Swamplandia" für Zähringer zu wirklich "grüner Literatur", die sich nicht in idealisierter Naturverherrlichung erschöpft, sondern sie "kraft literarischer Sprache" für sich selbst stehen lässt. Natur und Kultur treiben in Russells Roman exotische Blüten, an deren sprachlichen Qualität sich Martin Zähringer erfreut. Die "mystisch angehauchte Naturromantik" der Sumpflandschaft findet er darin ebenso wieder wie die wissenschaftliche Beschreibung der Everglades in der ökologischen Krise.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2011

Auf diesen Roman der als Star der US-Creative-Writing-Szene gefeierten Jungautorin Karen Russell kann der Rezensent Tobias Döring leider nicht einmal ein "ausreichend" geben. Was gar nicht so sehr daran liegt, dass die Geschichte selbst nicht interessant wäre - die Geschichte nämlich vom sterbenden Vergnügungspark und dem Mädchen, das von diesem bitteren Ausgangspunkt aus die eigene Familie nach einer "Flussfahrt ins Ungewisse" wieder zusammenzuführt. Nein, im Gegenteil: dass das gehe, das habe die Autorin selbst vorgeführt, in einer Kurzgeschichte, auf der der Roman nun beruht. Nur leider, seufzt Döring, wird das, was auf der kurzen Strecke als "eine Art wilde Phantastik" noch gut funktioniert hat, auf der Strecke von 500 Seiten restlos "verwässert". Er rät von der Lektüre darum klar ab.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2011

Sehr enthusiastisch stellt Christopher Schmidt diesen Roman von Karen Russell vor und meint hier ein Talent vom Format der großen Südstaaten-Autoren gefunden zu haben. Die 1981 geborene amerikanische Autorin erzählt darin von der Familie Bigtree, deren Traum vom Aussteigerleben in den Sümpfen der Everglades als Betreiber eines Freizeitparks hart mit der Realität konfrontiert wird, erfahren wir. Der Rezensent räumt ein, dass besonders am Anfang der John-Irving-Tonfall stört und sich Russell allzu sehr darum müht, in überdrehten Metaphern ihre Originalität unter Beweis zu stellen. Dafür zeigen sich Schmidt besonders in den ruhigeren Passagen dann ihr bemerkenswerter epischer Atem und ihre suggestive Erzählkraft, mit der sie von Umweltzerstörung, der Geschichte der unterdrückten Semiolen oder von Außenseitern wie den Bigtrees erzählt. Und dass sich die durch Krankheit, Tod und wirtschaftlichen Niedergang gebeutelte und zerstreute Familie am Ende "märchenhaft" glücklich wiederfindet, macht diesen dem Genre des magischen Realismus zugehörigen Roman für den entzückten Kritiker zu einem wunderbaren Lektüreerlebnis.
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