Jürgen Frohse (Hg.), Matthias Griebel (Hg.)

August Kotzsch: Werkverzeichnis der Photographien

Landmann und Photograph in Loschwitz bei Dresden 1836-1910
Cover: August Kotzsch: Werkverzeichnis der Photographien
Schirmer und Mosel Verlag, München 2026
ISBN 9783829610254
Gebunden, 500 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Elbtal bei Dresden wegen seiner landschaftlichen Schönheit ein beliebter Künstlertreffpunkt. In Loschwitz, das 1921 nach Dresden eingemeindet wurde, trafen sich namhafte Maler, Architekten und Komponisten zur Sommerfrische. Loschwitz war auch die Geburtsstadt und Wirkungsstätte von August Kotzsch (1836-1910), der als "Photograph des deutschen Biedermeier" und einer der frühesten Chronisten einer Epoche gilt, deren Kunst und Gesellschaft von ersten Einbrüchen der Industrialisierung in die heile Welt dörflicher Idylle geprägt waren. In den 1980er Jahren wiederentdeckt, wird August Kotzsch jetzt mit einem umfangreichen Werkverzeichnis gewürdigt, das mehr als 1000 Abbildungen enthält und in Zusammenarbeit unseres Hauses mit dem Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e.V. und der Deutschen Fotothek entstand.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2026

Fasziniert blättert Rezensent Bernd Stiegler in diesem umfangreichen Band, der das gesamte fotografische Werk August Kotzschs versammelt. Der 1836 geborene Kotzsch ließ sich in seinem fotografischen Schaffen zunächst von Kunstmalern wie Ludwig Richter inspirieren, deren Genreszenen er mithilfe der Kamera nachzustellen versuchte. Er fand dann allerdings in seinen Naturaufnahmen zu einem eigenen, Realismus und Allegorie verbindenden Stil, der über die Vorbilder hinaus weist. So setzt er immer wieder ein fast schon formloses Wuchern der Natur ins Bild, oder inszeniert einzelne Naturobjekte in der Manier von Stillleben. Insgesamt entstehen dabei Aufnahmen, die, so Stiegler, "zwischen Form und Formlosigkeit" pendeln. Die vorliegende Veröffentlichung ordnet diese Aufnahmen nun in den breiteren Kontext des Gesamtwerks des Fotografen ein - neben den Naturaufnahmen finden sich jede Menge künstlerisch nicht allzu interessante Porträts sowie Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten. Dadurch, freut sich Stiegler, ist es möglich, nachzuvollziehen, wie einige Aspekte des Fotografischen zur Kunst aufsteigen und andere zurückbleiben. Alles in allem also ein starker, vielseitiger Band zur Geschichte der Kunstwerdung der Fotografie, so könnte man die Besprechung zusammenfassen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.06.2026

Rezensent Peter Richter blättert interessiert durch das hier nun editiert vorliegende Werkverzeichnis der Fotografen August Kotzsch. Kotzsch wurde 1836 in Loschnitz an der Elbe geboren und wollte ursprünglich Kunstmaler werden, was ihm aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Stattdessen widmete er sich der damals noch jungen Kunst der Fotografie - und fertigte in und um Loschnitz Bilder an, die wiederum Kunstmalern als Vorlagen dienen sollten. Teils sind auch Statisten mit im Bild, oft jedoch widmete sich Kotzsch fotografischen Naturstudien. So nüchtern kommen die oft daher, dass sich Richter teils an die Konzeptkunst der 1960er erinnert fühlt. Auch der Wandel seines Heimatortes zum noblen Kurort findet sich in den Arbeiten dieses "frühneusachlichen Spätromantikers der Kamera" dokumentiert, staunt ein insgesamt ziemlich faszinierter Rezensent.

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