Joshua Groß
Plasmatropfen
Roman

Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751809818
Gebunden, 263 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783751809818
Gebunden, 263 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Helen ist Malerin. Und sie hat übernatürliche Kräfte. Zwei Tage vor der Eröffnung ihrer Ausstellung werden alle ihre Bilder gestohlen. Anstatt sich um die Aufklärung des Falls zu kümmern, fliegt sie zurück in ihre griechische Heimatstadt Egio. Während sich Helen wieder ihrer künstlerischen Arbeit widmet, untersucht ihr Partner Lenell die tektonische Grenze, auf der Egio liegt. Das Privatleben des Paares ist bewegt, sie können sich ihren eigenen Verletzungen und den Versehrungen der Welt immer weniger entziehen. Und die Frage, die sich einmal gestellt hat, bleibt: Ist es möglich, angesichts der Bruchstellen, die uns umgeben, nur nach persönlicher Erfüllung zu streben? Und wofür soll man die eigenen Kräfte einsetzen - zumal wenn sie, wie in Helens Fall, sogar telekinetisch sind? "Plasmatropfen" erzählt von inneren und äußeren Verwerfungszonen, von Plattentektonik und Sehnsucht, Permafrost und Kunst. Joshua Groß protokolliert nicht, was war, sondern imaginiert, was passieren könnte, in einer Welt, die sich immer mehr dem Surrealen und Märchenhaften annähert.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2024
Joshua Groß hat einen weiteren Roman über alles und jedes geschrieben, allerdings wird Kristina Maidt-Zinke mit dem Ergebnis nicht allzu glücklich. Es macht Spaß, meint sie, aufzuzählen, was alles auftaucht in diesem Buch, von Kunst und Klimakrise bis Spechtmenschen und Bubble Tea, bei der Lektüre selbst kommt allerdings wenig Freude auf. Vielleicht liegt das daran, vermutet Maidt-Zinke, dass Groß diesmal mit erfundenen Figuren und einer eher düsteren Tonlage arbeitet, was ihm nicht zu liegen scheint. Die Hauptfigur jedenfalls heißt Helen, erfahren wir, ist Malerin, kann aber auch per Gedankenkraft unter anderem das Wetter beeinflussen und hängt zeitweise mit ihrem Freund Lenell, der sich bald auf erotische Abwege begibt, in Erdbebengebieten herum. Das alles ist so wurstig und sprachlich krumm geschrieben, dass die Rezensentin gelegentlich Absicht vermutet. Aber ob sich Groß mit diesem Buch nun einen Meta-Scherz erlaubt hat oder nicht - so oder so ist das Ergebnis laut Maidt-Zinke literarisch eher schwachbrüstig geraten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024
Zwischen Sci-Fi und "fabelhaftem Unsinn" bewegt sich dieser Klimawandelroman von Joshua Groß, bekräftigt Rezensent Andreas Lesti: Die beiden Protagonisten, ein Paar Mitte dreißig, lebt in einer vom Klimawandel bedrohten Stadt in Griechenland zwischen Depression und Dystopie. In einer Sprache, die für Lesti "wie eine Audiodeskription" wirkt, erzählt Groß von den Superkräften, die die Figur Helen einsetzt, um den Permafrost aufzuhalten, was aber gleichzeitig bedeutet, dass sie sich nicht zusätzlich noch den Depressionen ihres Partners Lenell widmen kann. Im weiteren Verlauf der Handlung taucht ein seltsamer Spechtmensch auf, der als eine Art Hoffnungssymbol fungiert - auch wenn die Welt, so viel verrät der Kritiker über diesen hoffnungslosen und doch "aberwitzigen" Roman, am Ende zumindest zum Teil untergeht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2024
Rezensentin Katharina Teutsch zeigt sich irritiert vom neuen Roman von Joshua Groß. Eigentlich sollten die beiden Hauptfiguren, ein Seismologe und eine telekinetisch begabte Malerin, die achtsamen Sex haben, einigermaßen glücklich miteinander sein, findet sie. Doch Groß mischt allerhand Surreales in diese Konstellation, stellt Teutsch fest, Familientraumata und energetisches Durcheinander, und morpht Dinge, Bilder und Gefühle ineinander. Mitunter wähnt sich Teutsch bei den Teletubbies, wenn Geist, Körper, Realität und Eingebildetes verschmelzen und vor allem Gefühliges erzeugen. Teutsch wird entschieden zu viel empfunden und gespürt in diesem Text.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.09.2024
Rezensent Michael Wolff ist begeistert: Joshua Groß gelingt es wieder einmal, vom Leid des Planeten zu erzählen und gleichzeitig Romantiker zu bleiben. Das heißt, führt Wolff aus, die Rettung der Welt und die des Selbst fallen in eins in dieser Geschichte um den depressiven Seismologen Lenell und seine Partnerin, die telekinetisch begabte Künstlerin Helen. Letztere sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob sie ihre Gabe nicht lieber in den Kampf gegen Umweltkatastrophen investieren soll als in ihre Beziehung, so Wolff, während Lennert sich seinerseits neu verliebt, und zwar in einen Schnabel tragenden Spechtmenschen. Es lohnt sich nicht, auf Erklärungen für die fantastischen Elemente in diesem Buch zu hoffen, stellt Wolff klar, Groß wolle verschiedene Ebenen, wie etwa die Wissenschaft und den Mythos miteinander in Kontakt treten lassen. Weil eben die Erde genauso gefährdet ist wie die menschliche Seele, und beides, meint Wolff nach der Lektüre, vielleicht miteinander zusammenhängt. Insgesamt ein toller Roman, findet der Rezensent, ein Buch, das nicht auf politische Botschaften setzt, aber dennoch Fragen der Ethik verhandele.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.09.2024
Eine große Geschichte hat Joshua Groß mit seinem neuen Buch vorgelegt, befindet Rezensent Nico Bleutge: Der Protagonist Lenell erzählt zunächst von unbeschwerten Sommerurlauben mit Eis und Limonade, dann von der schwierig-symbiotischen Beziehung mit Helen. Er ist Seismologe, sie Malerin, telekinetische Kräfte hat sie auch, die helfen allerdings nicht, seine Depressionen zu lindern, schildert Bleutge. Der Roman ist allerdings nicht so sehr auf Handlung angelegt, sondern vielmehr auf "Wahrnehmungsetüden", die auch Anspielungen auf Donna Haraway oder Computerspiele integrieren und dabei wichtige Fragen nach den Bedingungen und Folgen menschlichen Handelns stellen, wie der Kritiker schließt.
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