Aus dem Englischen von Karsten Petersen. In den letzten 50 Jahren hat sich das, was wir als "gut" oder "richtig" bewerten, dramatisch verändert. Verhaltensweisen, die unserer Großelterngeneration nur schädlich oder schlicht bösartig vorkamen, erscheinen heute rational, ja natürlich. In der Folge von Milton Friedman, John Maynard Keynes und ihren Erben hat sich die Ökonomie unmerklich zur Ersatzreligion moderner Gesellschaften aufgeschwungen. Ihre Maximen und Schlüsselideen - von Nudging bis zum Trittbrettfahren - wirken sich heute direkt auf unsere Entscheidungsfindung aus und durchdringen so gut wie jeden Aspekt des alltäglichen Lebens. Im 21. Jahrhundert haben Wirtschaft und Ökonomie nicht nur Einfluss auf Politik und Gesellschaft, sondern auch auf unser Denken, Handeln und unsere Moral genommen. Hinter ihrer Dominanz werden die Alternativen zum System unsichtbar: Heute akzeptieren wir bereitwillig, dass alles vermarktet werden kann. Zugänglich deckt Aldred die erstaunliche Macht, welche die Ökonomie über uns hat, auf und zeigt anhand konkreter Beispiele aus unserer Erfahrungswelt, wie sie uns tagtäglich verdirbt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2020
Rezensent Werner Plumpe überzeugt Jonathan Aldreds Tirade gegen die Mainstream-Ökonomie und ihre Wegbereiter wie Reagan und Thatcher nicht. Der Autor übersieht seiner Meinung nach, dass es zu einer mit Konzepten wie dem "moral hazard" arbeitenden Ökonomie bereits eine kritische öffentliche Debatte gibt und rennt offene Türen ein. Die abschließenden Vorschläge des Autors gegen Korruption und für eine andere Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft findet Plumpe zudem recht blutleer und vage. Sie steht in keinem Verhältnis zum zuvor verbreiteten Furor, moniert er.
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