AB - Die Andere Bibliothek, Berlin 2026
ISBN
9783847704935 Gebunden, 492 Seiten, 48,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Gregor Hens. Limitierte, nummerierte Originalausgabe im Schuber. Der Jahrhundertroman über die Galleria Umberto in Neapel, wo das Leben dem Krieg trotzt."In Neapel gibt es eine Passage, halb Bahnhofshalle, halb Kathedrale, die Galleria Umberto Primo genannt wird. Man glaubt in einem Museum zu sein, bis man die Bars und Geschäfte entdeckt. Früher besaß diese Passage eine große gewölbte Glasdecke, doch die Bomben, die auf Neapel fielen, zertrümmerten die Lichtkuppeln, Scherben klirrten auf den Marmorboden wie grausamer Schnee. Aber das Leben in der Galleria ging weiter. Im August 1944 war sie das inoffizielle Zentrum von Neapel, sein von Vermouth durchströmtes Herz, eine beständig sich teilende Zelle von alliierten Soldaten und einheimischen Zivilisten …" Ein bahnbrechender Roman, der bei seinem Erscheinen 1947 ein gefeierter Bestseller war: Als Kaleidoskop unterschiedlichster Charaktere erzählt er von jungen Frauen und Prostituierten, Besatzern und Besiegten, Träumern und Syphiliskranken. Früher oder später führt der Fluss der Dinge sie alle in die Galleria Umberto. Es geht um nicht weniger als um die Kunst und die Liebe, um das, was Menschen verbindet, um das Leben selbst.
Rezensent Lothar Struck bespricht den Roman von John Horne Burns über seine Soldatenzeit in Italien und freut sich über Gregor Hens' Neuübersetzung des Textes von 1947 und dessen Vielstimmigkeit. Die von Glücksuchern und Todgeweihten geprägte Atmosphäre im Neapel von 1944 erscheint dem Kritiker gut getroffen. Die Episoden und Porträts von Priestern, Gescheiterten und Soldaten findet Struck ebenfalls sehr gelungen, manchmal sogar heiter. Abwechslungs- und auch lehrreich sind die eingestreuten topografischen und ethnografischen Beobachtungen, die die Spannungen im Mittelmeerraum in den 1940ern spürbar machen, erklärt Struck. Der Roman überzeugt den Rezensenten auch mit seinen Sprachbildern und mit Burns' souveränem Jonglieren verschiedener literarischer Formen, mit dem der Autor sich in die Tradition moderner Großstadtromane einschreibt, wie Struck findet.
Rezensent Nico Bleutge feiert den Roman von John Horne Burns von 1947 als stilistisch experimentierfreudigen Antikriegsroman. Die amerikanische Besatzungszeit in Neapel stellt Burns laut Bleutge gnadenlos dar, aber nicht mittels Kriegsszenen und Heroisierung, sondern multiperspektivisch und mit Anleihen beim Filmschnitt. Im Zentrum stehen ein junger melancholischer Leutnant und die teilweise zerstörte Galleria Umberto im Herzen Neapels. Wie Burns Figuren und Orte darstellt, erinnert Bleutge an Dos Passos und strukturell auch an Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung". Beeindruckt folgt er Porträts, Gesprächsmontagen, Szenen, Erinnerungen und Motivvariationen. Kitsch und Allgemeinplätze begegnen dem Rezensenten auch, doch das Buch ist für ihn allemal ein intensives Ereignis.
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