Jens Wietschorke

Wien - Berlin

Wo die Moderne erfunden wurde
Cover: Wien - Berlin
Reclam Verlag, Stuttgart 2023
ISBN 9783150114421
Gebunden, 345 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Die spannende Rivalität zweier Metropolen. Berlin ist arm, aber sexy? Wien dagegen gemächlich, traditionsbewusst und ein wenig morbide? Die beiden Großstädte wurden schon immer miteinander verglichen - und sie wetteiferten oft leidenschaftlich miteinander. Insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der Zeit der klassischen Moderne, lockten die zwei Metropolen Künstlerinnen, Schauspieler und Exzentriker aller Art an, die sich bisweilen zwischen den so gegensätzlichen Städten kaum entscheiden konnten. Jens Wietschorke nimmt die faszinierende Beziehungsgeschichte der beiden Metropolen etwas genauer unter die Lupe und entdeckt dabei so Überraschendes wie Vergnügliches. "Wiener, die nach Berlin kamen, suchten die mondäne Bühne oder das große Geld, wunderten sich aber auch über die Zumutungen der hektischen Weltstadt. Berliner erholten sich in Wien und zelebrierten die imperial grundierte Gemütlichkeit. Und alle regten sich auf: über die rückständigen Wiener Verhältnisse, den seelenlosen Berliner Amerikanismus oder die blasierten Intellektuellen beider Städte zusammen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.07.2023

Rezensent Stephan Wackwitz bespricht zwei Bücher über die "ungleichen Stadtschwestern" Berlin und Wien. Jens Wietschorkes Buch "Wien - Berlin. Wo die Moderne erfunden wurde" bietet dem Kritiker eine ausführliche Einführung in die moderne "Folklore" der beiden Städte, nach der Berlin als die fortschrittliche, "protestantisch rationale", Wien als die "gemütlich katholische", dabei leicht zurückgebliebene Stadt wahrgenommen wurde - umwoben freilich von zahlreichen Mythen, Vorurteilen und Fantasien auf beiden Seiten, die der Kulturwissenschaftler eingehend und auch mit Blick auf die Paradoxien auffächere. So kamen etwa die eigentlich "innovativen" Ideen aus Wien, obwohl man sich internationalen Erfolg nur von Berlin versprach, liest Wackwitz. Auch Sinclair McKays Buch über "Berlin 1918-1989" betrachte Berlin eingebettet in die "kulturelle Moderne" und verfahre dabei nach dem Prinzip der Oral History, die individuelle Zeitzeugen (unter den bekannten: Hildegard Knef) zu Wort kommen lasse, so der Kritiker. Was ihm in beiden Büchern zu kurz kommt, ist zum einen die Beleuchtung Ostberlins und zum andern der Gegenwartsbezug. Trotzdem spricht aus beiden Publikationen die "ungebrochene Faszination" für das Verhältnis zwischen diesen beiden Städten, schließt er.

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