Gefühle schreiben Geschichte, sie bestimmen Macht und Politik. Triebe, Affekte und Leidenschaften sind kulturspezifi sch, zeitlichem Wandel unterworfen und für den Lauf der Geschichte von immenser Bedeutung. Wenn Menschen lieben oder hassen, wenn sie ehrgeizig, rachsüchtig oder stolz sind, wenn sie Freude, Mitleid, Zorn oder Schuld empfinden - dann hat das Einfluss auf ihr Handeln. Diese scheinbar banale Erkenntnis eröffnet völlig neue Perspektiven auf vergangene Zeiten und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Jan Plampers Buch führt in das boomende Forschungsgebiet der Emotionsgeschichte ein. Zugleich warnt er vor voreiligen Schlüssen und leichtfertigen Anleihen bei den Neurowissenschaften, die viele aktuelle Debatten - wie zum Beispiel die Frage nach der Willensfreiheit - bestimmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2013
Für Hannah Lühmann ist das Buch des deutschen Historikers Jan Plamper nicht weniger als ein interdisziplinäres Friedensangebot gegen die Grabenkämpfe zwischen Neurowissenschaft und naturgeschichtlichen Fächern, das auch Fragestellungen aus Ethnologie, Soziologie, Pädagogik, Psychologie, Kunst- und Literaturwissenschaft zulässt. Was eine Geschichtswissenschaft der Emotionen noch sein kann, erfährt Lühmann bei Plamper in Form einer methodischen Grundlegung, indem der Autor etwa skizziert, was zum Gefühlsleben bereits geforscht wurde, bei Marc Bloch und Lucien Febvre zum Beispiel. Dass der Autor dabei konsequent geschichtlich zu denken bemüht ist, ohne jedoch zu vergessen, dass Gefühle im Körper entstehen, rechnet die Rezensentin ihm hoch an.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2013
Es muss ja nicht gerade eine Geschichte der Gefühle sein, meint Jörg Später. Das Buch des Historikers Jan Plamper gefällt Später auch so, als gut geschriebene Propädeutik zur Emotionsgeschichte, die Erkenntnisse der Ethnologie und der Lebenswissenschaften vorstellt, Kritik an der Neuromode übt und ein bisschen an der Dichotomie Natur/Kultur zu kratzen versucht. Dass Plamper über andere Disziplinen als die seine schreiben kann, erfährt Später auch. Nur kommt dabei eben eher eine Wissensgeschichte heraus, keine Emotionsgeschichte, stellt der Rezensent fest.
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