Hugo Balls DADA-Roman "Tenderenda der Phantast" (erstmals 1967 veröffentlicht) ist der Entwurf einer magisch-anarchischen, einer gesetzlosen und darum verzauberten Welt, eines Zustandes der vollkommenen Absurdität und des grenzenlosen Humors. Der schier unerschöpfliche Reichtum seiner Gedanken lässt uns staunend auf das Werk schauen: Da fallen Papyrusrollen, mit Zeichen und Tieren bemalt, von einem Turm herab, fliegt ein Hahn mit "zerfederter Sichel" über die "Fächer der Damen" hinweg, geraten Gasanstalten, Bierbrauereien und Rathauskuppeln ins Wanken, ein "apokalyptischer Glanz" bricht aus, des Teufels Gemahlin tritt auf, eine totes Pferd wird vor eine Begräbniskutsche gespannt … Im grafischen Teil des Buches setzt Klaus Detjen diese Fantastik mit Mischformen der Montagetechnik aus Visuellem und Verbalem um. Typografie und Textgestaltung entfernen sich von einer klassischen Lesestruktur, um sich besonders dem Rhythmus der Sprache zu öffnen. Das eingelegte Faltplakat stellt Lautgedichte des Autors vor, die Hugo Ball weltberühmt machten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.08.2015
In Hugo Balls Romanfragment "Tenderenda der Phantast", das um den Ersten Weltkrieg herum entstand, geht es um einen Scharlatan, der scheinheilig die bevorstehende Himmelfahrt predigt, berichtet Lothar Müller. Szenen wie die "blasphemische Revue mit betenden Hunden" und Anrufungen wie "Erbarme dich, o Herr, unseres Aufenthaltes in Sud und Latrine ...", die sich darin finden, mögen zum einen auf Balls persönliche Rückkehr zum Katholizismus zurückführen sein, immer wieder nutzt Ball aber auch - in avantgardistischer Tradition - solche "sprachlichen Hohlformen der Religion" für seine typische Lautdichtung aus, erklärt der Rezensent. Das Nachwort Klaus Detjens, sowie die wechselnden Typografien und Schriftgrade helfen bei der Orientierung, verspricht Müller.
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