Hermann Bahr ist eine der herausragendsten Persönlichkeiten der vorletzten Jahrhundertwende. Ob Naturalismus oder Symbolismus, Impressionismus oder Decadence, Secession, Expressionismus oder Heimatkunst - es scheint keine Bewegung um 1900 zu geben, die Bahr nicht schon im Entstehen aufgenommen und publizistisch begleitet hätte. Beweglich wie kein anderer, avancierte er zu einem der einflußreichsten Vermittler der europäischen Moderne zwischen Wien, Paris, Berlin, Moskau und Madrid, lebte nach dem Credo "täglich ein anderer zu sein" und wurde zu Lebzeiten gleichermaßen als "Prophet" gefeiert und als "Schwindler" verdammt. Im schier unerschöpflichen Oeuvre des Zeitschriftengründers und Talentsuchers, Theaterkritikers und Essayisten Hermann Bahr zeichnen sich daher zugleich ein Horizont der europäischen Avantgarden und eine dichte Beschreibung des Wiener fin de siecle ab. Jahrzehntelang war dieses einzigartige Werk nur in Bruchstücken zugänglich. Zum 70. Todestag Hermann Bahrs erscheinen nun die einflußreichsten, vom Autor selbst zusammengestellten Essaybände in Einzelausgaben und machen eine kunst-, literatur und kulturhistorische Quelle ersten Ranges zugänglich. "Die Überwindung des Naturalismus" erschien 1891 als Fortsetzung der "Kritik der Moderne". Er enthält Bahrs Auseinandersetzung mit dem Naturalismus, dem Begriff der Wahrheit und dem Marxismus sowie Essays zu Emile Zola, Octave Feuillet, Maurice Materlinck und Berichte von Kunstreisen durch die französische Provinz und Kastilien.
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