Helen Macdonald

H wie Habicht

Cover: H wie Habicht
Allegria Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783793422983
Gebunden, 416 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Schon als Kind beschloss Helen Macdonald, Falknerin zu werden. Sie eignete sich das komplizierte Fachvokabular an, mit dem sich die Falkner wie in einer Geheimsprache untereinander verständigen, und las die Klassiker der Falknereiliteratur. Ihr Vater unterstützte sie in dieser ungewöhnlichen Leidenschaft, er lehrte sie Geduld und Selbstvertrauen und blieb eine wichtige Bezugsperson in ihrem Leben. Als ihr Vater stirbt, setzt sich ein Gedanke in Helens Kopf fest: Sie muss ihren eigenen Habicht abrichten. Sie ersteht einen der beeindruckenden Vögel, ein Habichtweibchen, das sie auf den Namen Mabel tauft, und begibt sich auf die abenteuerliche Reise, das wildeste aller wilden Tiere zu zähmen. Ein Buch über die Erinnerung, über Natur und Freiheit - und über das Glück, sich einer großen Aufgabe von ganzem Herzen zu widmen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.01.2016

Für Bücher über Naturerfahrungen greift man am besten auf Veröffentlichungen englischsprachiger Autoren zurück, empfiehlt Rezensentin Ulrike Fokken. Ihr bester Kronzeuge ist der vorliegende Band der Philosophin und Historikerin Helen Macdonald, die sich zur Bewältigung ihrer Trauer über den Tod ihres Vaters in die Falknerei vorgewagt und sich damit einen seit Kindheitstagen gehegten Wunsch erfüllt habe. Ihr Erfahrungsbericht, wie sie sich über den Falken einen neuen Blick auf und ein neues Verhältnis zur Natur erarbeitet, ist glänzend geschrieben und ein "zärtlich fesselndes und kluges Buch", lobt die Kritikerin, die insbesondere auch Macdonals Ausflüge in die Literatur- und Kulturgeschichte besonders zu schätzen weiß. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2015

Rezensent Alex Rühle taucht verwundert auf aus der Leseerfahrung, die ihm Helen Macdonald beschert. Und was für eine!, versichert der Rezensent. Von Zuständen des Verrücktseins und der Trauer zu einer Spannung trägt ihn der Text, die Rühle kaum aushält. Dann Glanz. Und erzählerische Eleganz. Wie die Autorin Trauertagebuch, Biografie und Naturessay miteinander vereint, um ihr eigenes familiäres Schicksal mit der Zähmung eines Greifs zusammenzudenken, so etwas hat Rühle noch nie gelesen. Die Beziehung zwischen der Autorin und dem Habicht eröffnet dem Rezensenten buchstäblich die Vogelperspektive auf Mensch und Leben. Die von Macdonald gleichfalls in den Text aufgenommenen Passagen über Techniken der Greif-Abrichtung und die Versuche des Dichters T. H. White, einen Habicht zu zähmen, vervollständigen den Text für Rühle zu einer verstörend starken Erfahrung.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2015

Durch einen Raubvogel mehr über sich selbst erfahren: Das gelingt laut Rezensent Jürgen Brôcan der Autorin Helen Macdonald. "H wie Habicht" erzähle von der Begegnung mit dem Wilden und dessen Andersartigkeit, so der Rezensent, und tue dies "bald schnörkellos flott, bald lyrisch und still", insgesamt mit "poetischer Anmut". Zwar klingt das Szenario vom abgerichteten Vogel, der stets freiwillig zu seiner Halterin zurückkehrt, für Brôcan zunächst nach der Zutat für ein Rührstück, doch das Buch entpuppt sich dann als "gefährlicher Trip in neue Wahrnehmungsweisen". Besonders fasziniert zeigt sich der Kritiker von den Beschreibungen des Habichts beim Erlegen seiner Beute - und Macdonalds damit verbundenem Schwanken zwischen Ekel und Befriedigung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Geradezu hymnisch bespricht Rezensent Andreas Isenschmid das "literarisch strahlende Greifvogelbuch" von Helen Macdonald. Die Autorin hat mit "H wie Habicht" zwei Bücher miteinander verwoben, einen "bewegenden Bildungs- und Familienroman", der mit dem Tod des Vaters sein Ende findet, und ein "enorm lesbares Sachbuch", erklärt der Rezensent. MacDonald kennt sich aus: Eine Falken-Monografie hat sie schon vor Jahren veröffentlicht, weiß der Rezensent, und ist regelrecht besessen von gefiederten Raubtieren. Isenschmid hebt die Sprachkraft Macdonalds hervor, das ornithologische Fachwissen und die meisterlichen Beschreibungen der englischen Landschaft. Eine hellsichtige Psychologin ist sie für ihn eh. Man ist als Leser sogar kurz davor, sich selbst in einen Greifvogel zu verwandeln, so der Kritiker, schließlich sei diese Identifikation auch das Ziel der Autorin gewesen: die Welt mit den Augen eines Habichts zu sehen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.08.2015

Für Eckhard Fuhr geht Helen MacDonalds Buch über das Literarische hinaus. Die Balance zu finden zwischen Nähe und Distanz in der Schilderung eines Umgangs mit Greifvögeln, meint er, ist das eine. Für Fuhr aber verweist es nicht zuletzt auch auf die Notwendigkeit einer Balance im wirklichen Umgang mit Tieren, ein aktuelles Thema, meint er. Davon abgesehen aber scheint ihm die Autorin mit ihrer wundersamen Geschichte über ihren Weg in die Falknerei und speziell über das Leben mit einem Habicht die Tradition der Naturschilderung aufs Schönste wiederzubeleben. Kein Buch über englische Landaristokratie, keine metaphysische Lebenskrise-Story, sondern ein spezielles Buch über eine Reise in die innere Wildnis, findet Fuhr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.08.2015

In Großbritannien nennt man das, was Helen Macdonald in "H wie Habicht" tut, "New Nature Writing", weiß Sylvia Staude, nüchterne Natur- und Tierbetrachtungen vermengen sich hier mit biografischen und durchweg lyrischen Passagen. Helen Macdonald beschreibt also, wie sie einen Habicht 'abtrug', zähmte - so weit das überhaupt möglich ist, so die Rezensentin. Bei der Domestizierung dieser Raubvögel stößt man auch mit viel Aufwand früh an Grenzen, erfährt Staude: Habichte reagieren "buchstäblich ohne nachzudenken", und es braucht eine Ewigkeit bis die Reflexe für anderes Raum lassen als für Flucht und Jagd, erklärt die Rezensentin. Am Beispiel des Raubvogels beschreibt Macdonald das "kreatürliche Anders-Sein des Tiers" im Extrem, fasst Staude zusammen.
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