Aus dem Amerikanischen von Margarete Längsfeld. "Bena parkte den alten Ford Touring vor dem verlassenen Mineralpalast und ging langsam an den Säulen vorbei durch die kupferne Eingangstür. Vor einem ausgetrockneten Teich, aus dem die Statue einer Nymphe aufragte, blieb sie stehen und drückte ihr Baby fest an sich. Zum ersten Mal seit Wochen fühlte sie sich geborgen." Als Bena mit ihrem Mann Ted und dem kleinen Sohn nach Pueblo, Colorado, zieht, hofft sie auf einen Neuanfang. Aber die kleine, von der Rezession gezeichnete Stahlarbeiterstadt lebt im Schatten einer längst vergangenen Pracht, deren Symbol der alte, verfallene Mineralpalast ist. Bena, die in der neuen Umgebung mit ihrer eigenen tragischen Vergangenheit, mit der seltsamen Apathie ihres Kindes und einer schwierigen Ehe konfrontiert wird, findet in seinen Mauern Zuflucht. In diesem großen Epos über Hoffnung, Enttäuschung und Sehnsucht zeichnet Heidi Julavits das Bild einer ungewöhnlichen Frau, die an das Schicksal glaubt, aber das ihre nicht einfach hinnehmen will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2004
Mit "Untergangsbildern" geht es schon los, um dann Erwartung "auf das größtmögliche Unhappy-End" zu schüren - und die "Hoffnung, dass es vielleicht noch abgewendet werden kann". Doch Marion Löhndorf Hat's nicht nur ausgehalten, sondern sogar goutiert. Heidi Juvalits gelinge es nämlich, "in überzeugend ineinandergreifenden Bildern eine in sich geschlossene, dekadente Welt zu erschaffen, auf der Grenzlinie zwischen Surrealismus und Realismus". Ort der Handlung ist eine Wüstenstadt im US-amerikanischen Süden im Jahr 1934; eine desillusionierte Ehefrau beginnt, in ihrer desolaten Umgebung Geschichten zu sammeln und wird zunehmend in sie hereingezogen. Die Welt der Erzählerin, schreibt Löhndorf, wird von "bizarren Frauengestalten dominiert", die allesamt märchenhafte Merkmale tragen: "Die Frauen wirken wie finster-enigmatische Fabelwesen, denen die Zauberkräfte abhanden gekommen sind". Und alle verbergen und eröffnen sie Geheimnisse - kriminelle Geschichten aus der "Familienhölle". Dabei werden Themen wie Mutterschaft, Fruchtbarkeit und Ehe nachdrücklich und mit großer Ambivalenz behandelt, und das, so Löhndorf, verleiht dem konventionell erzählten Roman zusätzlich eine leicht beunruhigende, subversive Energie".
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