Hector Abad

Brief an einen Schatten

Eine Geschichte aus Kolumbien
Cover: Brief an einen Schatten
Berenberg Verlag, Berenberg 2009
ISBN 9783937834283
Gebunden, 220 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Dies ist die Geschichte von Hector Abad, vor allem aber die seines Vaters, einem der fähigsten Ärzte Lateinamerikas, der 1987 in Medellin erschossen wurde. Nachdem alle Epidemien besiegt waren, hatte er sich auf die letzte noch verbliebene gestürzt, die Gewalt. Wie so viele Hoffnungsträger Kolumbiens kostete sein Gerechtigskeitsempfinden auch diesen großartigen Wissenschaftler am Ende das Leben. Abad erzählt vom Aufwachsen zwischen archaischer Religiosität und weltläufiger Bürgerlichkeit, vor allem aber von einem Vater, der sein Land aus der Finsternis führen wollte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2009

Uwe Stolzmann gibt unumwunden zu, dass Hector Abads Buch, in dem er sich an seinen 1987 ermordeten Vater erinnert, seine Schwachpunkte hat, doch findet er es trotzdem sehr lesenswert. Der kolumbianische Arzt und Soziologe Hector Abad senior hatte sich vehement für die Armen Kolumbiens eingesetzt und sich für sauberes Trinkwasser, Aufklärung und Gerechtigkeit engagiert, weshalb er einem nie aufgeklärten Auftragsmord zum Opfer fiel, informiert der Rezensent. Das Buch des Sohnes nun empfindet der Rezensent einerseits als allzu anekdotenlastige Hagiografie des verehrten Vaters und bietet ihm nichts Erhellendes über die Ursachen der dominierenden "Gewaltkultur" Kolumbiens. Dafür aber versammele der Autor in diesem "Brief" die verschiedensten Themen, bietet neben der Biografie auch ein Bild der Zeit und eine berührende Vater-Sohn-Geschichte, so dass der Rezensent dennoch von diesem durch große Offenheit geprägten Text gepackt ist. Wenig Verständnis aber bringt er für die seltsamen Übertreibungen und Fehlgriffe des Verlegers Heinrich Berenberg auf, der im Klappentext den Vater nicht nur kurzerhand zum "bedeutendsten Arzt Lateinamerikas" macht und erkennen lässt, dass er zwischen Kokablättern und Kokain nicht zu unterscheiden vermag, sondern zudem das heutige Kolumbien als "stabil" charakterisiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.05.2009

Lest dieses Buch, ruft Arno Widmann und empfiehlt auch dringend, die Lesungen seines Autors Hector Abad zu besuchen, der in diesen Tagen durch Deutschland reist. Was er in dieser Geschichte aus Kolumbien ergreifend dargestellt sieht, ist nicht nur die Geschichte einer Liebe zwischen Vater und Sohn, er lernt auch alles darüber, wie eine Gesellschaft zerstört wird und den Großgrundbesitzern und Rauschgiftkartellen und korrupten Politikern zur Beute gemacht wird: Wo das Recht des Stärkeren regiert, ist nicht einmal ein Glas sauberes Wasser zu bekommen, lernt Widmann. Hector Abad erzählt von seinem Vater, dem Arzt Hector Abad, der ermordet wurde, weil er sich zu nachdrücklich für sauberes Wasser und Aufklärung engagierte. Die Kirche, genauer der Erzbischof von Medellin, verweigerte dem Toten die Messe. Heute ist dieser Bischof, wie Widmann zu berichten weiß, Kardinal in Rom.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2009

Bewegt und begeistert hat Rezensent Dieter Thomä diese "Geschichte einer großen Liebe zwischen Vater und Sohn" gelesen, die Hector Abad zwanzig Jahre nach dem Mord an seinem Vater, einem kolumbianischen Professor für Sozialmedizin, geschrieben hat. Abads Trauer, sein Trotz gegen das Vergessen des Vaters, aber auch das mitgeteilte Glück über diese Beziehung haben Thomä kostbare Momente des Leserglücks beschert. Die Einblicke in die gesundheitspolitischen Initiativen, die Weigerung der katholischen Kirche, dem Kommunisten ein kirchliches Begräbnis zuteil werden zu lassen, und das Unterlaufen dieses Verbots ergreifen und erschüttern den Rezensenten ebenso wie die Sinnlichkeit, mit der dieser Autor Vergangenes evoziert. Weite Teile des Buchs solle man sich als "blühende Landschaften vorstellen", schreibt er, über die eine "schwarzgraue Gewitterfront anrollt".
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