Haruki Murakami

Blinde Weide, schlafende Frau

Erzählungen
Cover: Blinde Weide, schlafende Frau
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832179526
Gebunden, 411 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. In seinen Erzählungen entfaltet sich Haruki Murakamis ganze Zauberkraft: Zwei verliebte Teenager betrachten im Zoo ein junges Känguruh und entdecken in dessen Jugend sich selbst. Auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch streitet ein Mann mit dem Türhüter über das Passwort. Ein Rollstuhlfahrer verwickelt einen Touristen in die verstörende Auseinandersetzung über Messer und die geheime Mechanik von Familien. Ein Nachtwächter entwickelt nach der Begegnung mit einem Geist Scheu vor Spiegeln. Die Geschichten von Haruki Murakami sind erfüllt von Wundern und Absurditäten, die nach dem Lesen nicht mehr aus dem Kopf verschwinden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2007

Rezensentin Marion Löhndorf fühlt sich von dem Haruki Murakami, wie er sich in dem Erzählungsband "Blinde Weide, schlafende Frau" präsentiert, ein bisschen verschaukelt. Bei einer genaueren Lektüre seiner Geschichten stellt sie nämlich fest, dass er nicht so raffiniert ist, wie man zunächst vermuten würde. Die von ihm entworfenen Szenarien sind gar nicht derart clever angelegt, so zumindest Löhndorfs Beobachtung, dass man als Leser erst vereinnahmt wird, um dann umso wirkungsvoller verunsichert zu werden. Eher resultiert seine Erzählhaltung aus einem Mangel: Es gelingt ihm ihrer Meinung nach gar nicht erst "an die umrisshaft immer erkennbaren eigenen Abgründe heranzutreten." Zu sehr ist er von dem Wunsch angetrieben, dem Leser auch zu gefallen, findet die Rezensentin. Für eine leichtere Konsumierbarkeit seiner Arbeit "überlagert er oft die erkennbar dunkleren, komplizierteren Schichten in seinem Werk" mit dem Resultat, dass sie beim Leser schnell in Vergessenheit geraten "wie Kurzgeschichten in mittelmäßigen Illustrierten".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.01.2007

Die Rezensentin Susanne Messmer ist sehr berührt von diesen alten und neuen Geschichten von Haruki Murakami, der hier ihrer Meinung nach seine ganzen erzählerischen Qualitäten ausspielt. Wieder macht er durchschnittliche Menschen "ohne besondere Eigenschaften", deren Alltag plötzlich durcheinander gerät, zu seinen Protagonisten. Im Vergleich zu seinen oft doch sehr psychologisch motivierten Romanen gefällt ihr an diesen Geschichten besonders, dass ihre Pointen oft "belanglos" und beliebig erscheinen. Gerade deshalb sind sie nach Meinung der Rezensentin besonders nachhaltig: "Sie gären nach dem Lesen noch lange vor sich hin." Deshalb kann man das Buch nach Messmers Meinung auch nur in homöopathischen Dosen geniessen - was in diesem Falle aber eindeutig als Kompliment zu verstehen ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2006

Eher kritisch betrachtet Maike Albath diese 24 Erzählungen Haruki Murakamis aus drei Jahrzehnten. Neben realistischen Beziehungsgeschichten findet sie in dem Band eine Reihe surrealistisch angehauchter, bisweilen auch mystisch anmutender Erzählungen, in denen sprechende Affen, Ehemänner aus Eis oder auf dem eines Schriftstellers wachsende alte Tanten ein Rolle spielen. Zwar scheinen ihr ein paar Geschichten handwerklich durchaus gut gemacht. Im Grunde hat sie aber den Eindruck, es vor allem Skizzen und Fingerübungen zu tun zu haben, die ob der Berühmtheit des Autors eben auf den Markt geworfen werden müssen. Überhaupt macht Albath aus ihrem Zweifel an Murakamis literarischen Bedeutung keinen Hehl, betrachtet sie seine Produktion doch als "literarische Ausprägung der Bagel-Latte-Macchiato-Sushi-Kultur": übersichtlich, für jeden was dabei, von allem etwas drin, sprachlich geschmeidig. Mit einem Wort: "ideal für Flughafenwartezeiten".
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2006

Eher kritisch betrachtet Maike Albath diese 24 Erzählungen Haruki Murakamis aus drei Jahrzehnten. Neben realistischen Beziehungsgeschichten findet sie in dem Band eine Reihe surrealistisch angehauchter, bisweilen auch mystisch anmutender Erzählungen, in denen sprechende Affen, Ehemänner aus Eis oder auf dem Kopf eines Schriftstellers wachsende alte Tanten ein Rolle spielen. Zwar scheinen ihr ein paar Geschichten handwerklich durchaus gut gemacht. Im Grunde hat sie aber den Eindruck, es vor allem mit Skizzen und Fingerübungen zu tun zu haben, die ob der Berühmtheit des Autors eben auf den Markt geworfen werden müssen. Überhaupt macht Albath aus ihrem Zweifel an Murakamis literarischer Bedeutung keinen Hehl, betrachtet sie seine Produktion doch als "literarische Ausprägung der Bagel-Latte-Macchiato-Sushi-Kultur": übersichtlich, für jeden was dabei, von allem etwas drin, sprachlich geschmeidig. Mit einem Wort: "ideal für Flughafenwartezeiten".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

"So etwas nennt man Weltliteratur!" jubelt Rezensent Helge Timmerberg über die Geschichten in diesem Band. Zwar haben sie es ihm nicht leicht gemacht, entnehmen wir der sehr subjektiven Schilderung seines Lektüreerlebnisses. Es gebe keine Pointen, oft nicht mal einen richtigen Sinn. Ihre Sensationen bewahrten diese Geschichten in ihrer Mitte, und gingen immer irgendwie "belanglos" aus. Aber "irgendwas" zog Timmerberg trotzdem immer wieder in die Erzählungen hinein. Worum es dabei geht ist seiner Schilderung nicht ohne Weiters zu entnehmen. Allerdings braucht es offensichtlich eine ordentliche Portion Masochismus, um sie richtig genießen zu können. Denn der Rezensent schreibt, dass er sich von Murakami mit den Geschichten stundenlang "mit spitzen kleinen Schuhen" vors Schienbein getreten fühlte, und das sehr genossen hat.
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