Labormäuse machen uns ein Geschenk: ihr Leben. Für unser Leben. Nach dem Menschen war die Maus das zweite Lebewesen, dessen Erbgut vollständig entschlüsselt wurde. Weil wir uns genetisch so ähneln, sind sie nun unsere Stellvertreter an der Forschungsfront. So werden in den Laboratorien dieser Welt tagtäglich Legionen von Mäusen als eine anonyme Masse Tiermaterial produziert und verbraucht. Ist dies moralisch zu rechtfertigen - oder möglicherweise geradezu ethisch notwendig? Der Erkenntnisgewinn für den Menschen jedenfalls immens und nicht selten überlebensrelevant. Heidi & Hans-Jürgen Koch setzen diesen kleinen Helden ein Denkmal und geben ihnen ihre Individualität und Persönlichkeit zurück. Durch die künstlerische herangehensweise erhalten die Fotografien der "Menschenmäuse" darüber hinaus eine universelle Bedeutung. In ihnen spiegelt sich nichts Geringeres wider, als die Würde der Kreatur und der Respekt vor ihr.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.04.2020
Bernd Graff gerät ins Grübeln mit dem Bildband von Heidi und Hans-Jürgen Koch. Die abgebildeten Labormäuse sind für ihn zweifellos aus Fleisch und Blut, auch wenn ihre serielle Zucht, ihre technischen Bezeichnungen und ihre Verwendung als Knock-Out-Maus oder Ähnliches zu Labortestzwecken das nicht unbedingt nahelegt. Das vor der Pandemie als Ausstellungsband konzipierte Buch gemahnt den Rezensenten nicht zuletzt an den "Quarantäne-Menschen" von heute. Der sitzt wie die Maus in der "kapitalistisch-hygienischen" Falle, ahnt Graff.
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