Deutschland ist nur Mittelmaß, wenn es darum geht, verläßliche Lebenswelten für die junge Generation zu schaffen. Alarmierend sind aber nicht nur die Zahlen zum Risikoverhalten von Jugendlichen, auch bei der Zuwendung der Eltern sieht die deutsche Bilanz erschreckend aus. Der Unicef-Bericht zeigt schonungslos auf, woran es hapert: Kinder rangieren in Deutschland auf der Liste der Prioritäten weit unten. Strukturelle Investitionen in das Wohl der Kinder stehen trotz der Debatte um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Gesellschaft hinter anderen Zielen zurück. Anders als die Shell-Studie basiert der Unicef-Bericht auf den Daten zu 40 verschiedenen Indikatoren aus internationalen Studien wie Pisa oder HBSC (Health Behaviour in Schoolage Children) und auf detaillierten Untersuchungen des bekannten Familiensoziologen Hans Bertram auf Länderebene.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2008
Uta Rasche freut sich, dass Unicef mit dieser Studie zur Lage des Nachwuchses in den Industriestaaten zu den Inhalten zurückkehrt. Sie erklärt den Aufbau der Studie, die in sechs Themenkomplexe, zum Beispiel Gesundheit, Bildung, Betreuung, eingeteilt ist, und spricht mit Blick auf das Ranking (im internationalen Vergleich belegt Deutschland Platz elf von 21) von einer "ernüchternden Essenz" des Bandes. Beeindruckt hat Rasche die Deutlichkeit, mit der hier unter Federführung des Herausgebers Hans Bertram auf die Bedeutung der Familienkonstellation für die materielle Lage der Kinder sowie auf die "systematische Benachteiligung" von Einwandererkindern hingewiesen wird und die Autoren Gesundheitsförderung als Form der Zukunftsinvestition einfordern.
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