Im Zentrum dieses Buchs steht das Tagebuch einer Moselreise, das Hanns-Josef Ortheil als Elfjähriger verfasst hat und das erkennen lässt, wie wichtig für den kleinen Jungen schon das Reisen, die Sprache und das Schreiben waren. Ergänzt wird dieses Dokument, das eine Weiterführung von Ortheils autobiografischem Roman "Die Erfindung des Lebens" (2009) darstellt, durch die Beschreibung derselben Reise, die der Autor Jahrzehnte später unternommen hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2010
"Die Moselreise" ist das überraschende und rührende Werk eines begabten Kindes, das von seinem Vater durch eine Wanderung an der Mosel in den 60er Jahren aus seiner Isolation und Stummheit geholt werden soll, lobt Rezensent Hans-Peter Kunisch. Es handelt sich, stellt der Rezensent klar, nicht etwa um eine Kindheitserinnerung, sondern um Reisenotizen, die sich der 11-jährige Hanns-Josef Ortheil notiert und, wieder zu Hause, ausgearbeitet hat, ergänzt mit Postkarten an die Mutter. Das Vorwort, in dem der Autor seine eigene Kindheit deutet, findet der Rezensent mitunter zu "redselig". Dafür bewundert er umso mehr die für das Alter des schreibenden Kindes erstaunliche dramaturgische Umsetzung und die "souveräne" Konstruktion der Reiseerzählung, die auch von einer bewegenden Vater-Sohn-Beziehung erzählt, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.10.2010
Hingerissen zeigt sich Anja Hirsch von Hanns-Josef Ortheils "Moselreise". Die Aufzeichnungen des elfjährigen Autors über eine Reise mit seinem Vater im Sommer 1963 von Koblenz nach Trier haben für sie in ihrer Unvermitteltheit großen Charme. Falsch liegt, wer "unbeholfene Sätzchen" oder "langweilige Routenbeschreibungen" erwartet, versichert die Rezensentin. Beeindruckend scheint ihr die "Redlichkeit" und die "Sprachbegeisterung", mit der der Elfjährige ans Werk geht, faszinierend, wie genau er beobachtet. Der besondere Reiz dieser Reise-Collage liegt für Hirsch in der "Schwellenübertretung", an der die Leser teilhaben können, etwa wenn der Elfjährige zum ersten Mal kegeln geht. Neben der Moselreise des Kindes finden sich in dem Buch auch die Erzählung des erwachsenen Autors über seine Wiederholung der Reise und die Reflexion über das, was die Reise des Elfjährigen für sein späteres Schreiben bedeutete.
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