Die erste umfangreiche Auswahl aus dem Werk von Gerd Danigel lädt ein zur Entdeckung eines Fotografen, der seit dem Ende der siebziger Jahre nahezu im Verborgenen Bilder geschaffen hat, die den Vergleich mit den namhaften Vertretern des Ostdeutschen Fotorealismus nicht zu scheuen brauchen. Auf den Straßen und Plätzen, in Kneipen und Geschäften, an Bahnhöfen und vor Fabriken beobachtete Danigel die Menschen seiner Heimatstadt Berlin und des untergehenden Landes DDR. Seine Bilder sind von tiefer Zuneigung und viel Humor, zeigen nach 1989 aber auch Spuren von Resignation. Bernd Heyden, der zu der Zeit zu fotografieren aufhörte, als Gerd Danigel die Kamera in die Hand nahm, hat in ihm einen würdigen Nachfolger gefunden - eine wunderbare Überraschung für alle Freunde der klassischen Straßenfotografie!
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2011
Dieser Band mit Schwarzweiß-Fotografien des Ostberliner Fotografen Gerd Danigel bringt Gustav Seibt zum Jubeln. Seine Berliner Bilder halten für den hingerissenen Rezensenten die spezifische Melancholie vom Prenzlauer Berg fest, dessen graue, bröckelnde Fassaden bei den Schwarzweiß-Aufnahmen besonders gut zur Geltung kommen, wie er meint. Genauso schätzt er den feinen Humor des Fotografen, den er in Fotos von leeren Schaufensterauslagen unter dem Schild "Unser Angebot" beispielsweise demonstriert. Seibt rühmt zudem das untrügliche Gefühl Danigels für den richtigen Augenblick und vor allem den spürbar menschenfreundlichen Blick, wenn er Kinder oder alte Menschen mal in Schnappschüssen, mal in sorgfältigen Porträts festhält. Und auch die Bilder aus den Nachwendezeiten halten untrüglich den Eindruck von einer Ausnahmebegabung fest, der der Rezensent deshalb auch mehr als diesen einen Prachtband wünscht.
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