Friedrich Ani
Schlupfwinkel
Fantasien über eine fremde Heimat

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518475171
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR
ISBN 9783518475171
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR
Klappentext
Ein kleines Dorf in Bayern, Ende der 1950er Jahre: Ein Kind kommt zur Welt aus einer Verbindung, die hier niemand für möglich gehalten hätte. Die Mutter ist Schlesierin und gehört zu den "Heimatvertriebenen", die sich ein Jahrzehnt zuvor im Ort niedergelassen haben. Der Vater ist ein Medizinstudent aus Syrien, der ins Dorf kommt, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen. Zum Zeitpunkt des Kennenlernens hatten sie keine gemeinsame Sprache, und ihr gegenseitiges Sprechen blieb ein Leben lang brüchig. So wächst das Kind in einer Atmosphäre des Schweigens auf, sucht nach einem Schlupfwinkel für die eigene Existenz und findet ihn in der Literatur.Schlupfwinkel beschreibt den Werdegang eines Autors, der zwar zu einer eigenen Sprache findet und damit Erfolge feiert, doch im Leben ein Verlorener bleibt. Es ist gleichzeitig ein Versuch, die Geschichte der Eltern aus der Distanz heraus zu verstehen und den Momenten nachzuspüren, wo sie vielleicht eine Chance gehabt hätten, eine ausgeglichene Familie zu werden. Und schließlich ist es eine Geschichte von Flucht und möglichem Ankommen, die sich in den "Wirtschaftswunderjahren" abgespielt hat, aber bis heute nachhallt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2025
Rezensent Hannes Hintermeier liest gebannt aus der Lebensgeschichte des Schriftstellers Friedrich Ani. Doch Vorsicht, meint Hintermeier selbst, es ist ja Fiktion, was der Autor hier erzählt - die Geschichte eines syrischen Medizinstudenten namens Ali Ani, der in einem bayrischen Dorf mit einer jungen Frau ein Kind bekommt, mit dem er ein ganzes Leben lang kaum ein Wort spricht. Die Überlebenstechniken des Sohnes angesichts des Schweigens, der Liebesentzug sind das Thema des Buches, erklärt Hintermeier. Wie im Leben ist der Vater auch im Buch kaum greifbar, stellt der Rezensent fest, und die Literatur erscheint hier als Rettung.
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