Frederic Beigbeder

Letzte Inventur vor dem Ausverkauf

Die fünfzig besten Romane des 20. Jahrhunderts
Cover: Letzte Inventur vor dem Ausverkauf
Rowohlt Verlag, Reinbek 2002
ISBN 9783498006259
Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Juliane Gräbener-Müller. Beigbeders neues Werk ist eine Sammlung von ebenso unterhaltsamen wie knappen Aufsätzen zu den 50 wichtigsten Büchern des 20. Jahrhunderts. Basierend auf einer Leserumfrage, wurde die einzelnen Stücke für Beigbeders Literatursendung im französischen Fernsehen geschrieben, was ihren unterhaltsamen Ton erklärt: Nichts liegt Beigbeder ferner als der Kniefall vor Geistesgrößen: "Schluss mit dem Purismus", lautet sein Motto, "ich will zeigen, dass auch die Schriftsteller ein Anrecht auf ihre Top Fifty haben."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2003

Hannelore Schlaffer findet es "typisch Showmaster", dass Frederic Beigbeder seine auf "Paris Premier" ausgestrahlten Buchempfehlungen nun wiederum in einem Buch zusammengefasst hat. Da die Auswahl der fünfzig besten Bücher des 20. Jahrhunderts nicht von ihm selbst, sondern von 6.000 Fnac-Kunden und Le Monde-Lesern getroffen wurde, trifft Schlaffers Kritik vor allem letztere. "Reichlich unzeitgemäß" findet die Rezensentin, dass knapp die Hälfte der Bücher zur französischen Literatur gehören und dass die andere Hälfte fast ausschließlich angelsächsischer Herkunft ist. Die Deutschen, schreibt sie, werden "von ihren Nachbarn wieder einmal gründlich verachtet". Schlaffer hält Beigbeder zu Gute, dass er in seinen Besprechungen wenigstens Querverweise zu anderen deutschen Autoren als Kafka gibt - zumal er sich als "belesener Kritiker" erweise. Beigbeder geht laut Schlaffer mit einer "Mischung aus Bildungsernst und jugendlicher Frechheit" zu Werke. Einerseits gelinge es ihm, mit präzisen Wendungen den Charakter eines Werkes zu umreißen, andererseits würze er das ganze mit einer Prise "Schnoddrigkeit" - wenn er zum Beispiel vom "sensiblen Jungen" Stefan Zweig und seinem "Kumpel Sigmund Freud" spreche. Die Rezensentin hat jedenfalls "Appetit aufs Lesen von Literatur" bekommen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2003

Hat Thomas Laux bereits der jüngste Roman des Autors, "Die Liebe währt drei Jahre", in positives Erstaunen versetzt, so werden die Rezensentenaugen immer größer. Der Autor hat nämlich Ahnung von Literaturgeschichte, stellt Laux überrascht fest. Und er lasse sich nicht so schnell beeindrucken beziehungsweise bluffen vom französischen Bildungsbürgertum. Die Buchhandelskette FNAC und die Tageszeitung "Le Monde" hatten eine Umfrage in Auftrag gegeben, berichtet Laux zur Entstehungsgeschichte des Buchs, die eine Art Bücher-Hitliste der Franzosen erfragen sollte. Das Ergebnis lässt sich als versteckter nationaler Kanon interpretieren, und so hat sich Beigbeder drangesetzt und die fünfzig ausgewählten Romane kommentiert, darunter auf Platz 1: Albert Camus mit "Der Fremde", Prousts "Recherche" auf Platz 2 und Sartres "Das Sein und das Nichts" immerhin auf Plartz 13 (!). Beigbeders Bemerkungen fallen eher ironisch aus, kommentiert wiederum Laux, er heuchele keinen Respekt, verfahre erfrischend locker mit den Texten beziehungsweise Autoren, erweise aber auch Kennerschaft, indem er Bezüge herausarbeite und eigene Vorlieben unterschmuggele. Kurzum, einer der sich in der Literaturgeschichte auskennt und doch die Sache nicht allzu ernst zu nehmen bereit ist.