Francesco Biamonti

Die Reinheit der Oliven

Roman
Cover: Die Reinheit der Oliven
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783608934618
Gebunden, 214 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Paul Wolfgang Wührl. Ein Ort in Ligurien, im Grenzgebiet zwischen Italien und Frankreich. Das Meer, die Felsen und Olivenbäume liegen im flirrenden Licht. Leonardo, ein rätselhafter Mann, kehrt in sein Dorf zurück ? er hat eine Schussverletzung, doch was er erlebt hat, darüber will er nicht reden. Denn, das erfahren wir aus den Gesprächen und Aktionen einer Handvoll Leute, im Untergrund der scheinbaren mediterranen Idylle gärt es, die Spuren einer kriminellen Gegenwelt werden sichtbar: Schießereien in den umliegenden Bergen, eine Entführung. Nach und nach setzt sich aus Einzelheiten das Szenario eines gefährdeten, umkämpften Landstrichs zusammen ? mit wachsendem Einfluss der italienischen und russischen Mafia, mit Menschenhandel, Gewalt und Illegalität. Leonardo möchte gegen diese Entwicklung, gegen das "Delirium der Welt" kämpfen. Und wie ein schwacher Hoffnungsschimmer scheint am Ende dieses Romans die Utopie auf, dass der beste Weg dazu die Verteidigung des kleinen, überschaubaren Kosmos eines Dorfes ist ? die Reinheit der Oliven.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2001

Farben und Bilder sind für Ute Stempel die wesentlichen Elemente dieses Romans. Die Handlung selbst ist dabei eher nebensächlich. Stempel stellt den Autor als Einzelgänger vor, der im ligurischen Hinterland ein karges Leben führt. Dass Biamonti sich vor allem mit der Landschaft, "ihrem Licht, ihrem Geruch, ihrer Luft" beschäftigt, scheint ihr daher nicht verwunderlich. Sehr poetisch findet Stempel diesen Roman, auch wenn der Autor nie Gedichte geschrieben hat. Doch mehr als in Biamontis früheren Romanen werden diesmal - so die Rezensentin - auch aktuelle Themen aufgegriffen, etwa das Schleusen von kurdischen Flüchtlingen. Insgesamt liegen ihrer Ansicht nach jedoch die besonderen Stärken dieses Romans in der "ebenso rauschhaften wie präzisen Intensität der Farbskalen seiner Bilderwelten".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000

Als literarische Landschaft entdeckt hat Ligurien, so Lucia Mancioppi, 1925 Eugenio Montale; mit seinen Gedichten wurde es "zum Ort des Aufbruchs in die Moderne". Der aus Ligurien stammende und bis heute dort lebende Biamonti hat in seinem neuesten Roman nun den Teil Liguriens zum Schauplatz gemacht, der von "Profitgier und Verfall" bedroht ist. Ein karges, felsiges Land mit Oliven- und Mandelbäumen, durch das sein Protagonist Leonardo streift und beobachtet, was geschieht: Verfall, Kriminalität und Verrohung. Die Figuren Biamontis, schreibt Mancioppi, bleiben "merkwürdig enigmatisch", auch die von Stille und dem "einfachen Leben" angezogenen, einzelgängerischen Besucher wie die Französin Véronique und ihr Mann. Dem rasenden, vergiftenden "Fortschritt" haben sie "nichts entgegenzusetzen außer eben ihrer Klage" über die Zerstörung der alten Welt. Die Rezensentin bescheinigt dem Autor einen "hohen elegischen Ton", der allerdings in der deutschen Übersetzung manchmal "altmodisch sentimental" klingt, wie sie findet. Trotz Schlepperbanden und Mord an einer Prostituierten gibt es wenig Handlung; vielmehr berührt das Buch durch die kraftvolle Zeichnung von "Licht und Schatten" dieser Landschaft und ihrer Klänge, urteilt Lucia Mancioppi.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2000

Es geschieht "fast nichts" in der Welt zweier Bergdörfer Liguriens, obwohl es kurdische Flüchtlinge nach Frankreich hinübertreibt, jemand angeschossen wird und ein französischer Oberst stirbt, aber, so Dorothea Dieckmann, entscheidend sind der Geruch nach Meer, der melancholische Atmen des Herbstes, eine "herbsüße Altersprosa", ein italienischer Rilke.
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